Tag 29: Die Diebin und der Sacherkuchen

Meine liebsten Leute,
wie gestern bin ich früh aufgestanden. Heute um 7.20, weil um 7.30 laut meinem wundervollen Stundenplan meine Arbeit anfängt.

Ich bin zu dieser frühen Stunde meinem Gastvater und dem Ältesten, Gabriele, begegnet. Der Letztere hat diese Woche einen Englischkurs von 8-16 Uhr. Gerade als die beiden gegangen sind, ist die Beatrice aufgewacht. Zum Frühstück haben wir uns „pane“ bianco (weißes „Brot“) mit Marmelade und selbstgezüchtetem Honig (vom Opa, der einen Stock unter uns wohnt) gemacht. Dieses Brot ist eigentlich dieser Briochetoast, süß und schwammig weich. Ja, in Italien ist alles einfach süß. Hab ich schon von der Milch erzählt? Hier gibt es nur Haltbarmilch, die voll gezuckert ist und kein Bisschen nach Milch schmeckt.
Langsam gewöhn ich mich aber daran, bin aber froh, dass ich nur noch ein Monat im Land der künftigen Diabeteskrise lebe 😛

Die Kleinen beiden und ich haben heute einen Sacherkuchen gebacken. Ja, richtig gehört! Ich weiß nicht ob es an der Familie oder am Land liegt, aber es hat keine runde Backform gegeben, weshalb ich die Sachertorte in einer rechteckigen Auflaufform gebacken hab. Und Mehlspeisen in rechteckiger Form sind nun mal Kuchen. Es ist ein Wunder, dass sie so wunderbar geworden ist, denn es haben sich mir am Weg zur idealen Sachertorte einige Dinge in den Weg gestellt.

Es gibt in diesem Land keinen Staubzucker, aber es gibt dieses wundervolle Gerät, dass alle Italiener haben und lieben: den Bimby von Vorwerk. Diese Küchenmaschine kann mixen, haxeln, erhitzen, alles! Auf Anreiz der Gastmutter hab ich versucht den Kristallzucker damit in Staubzucker zu verwandeln. Das einzige Problem war, dass ich den Dichtungsring erst nachher gefunden hab. Somit ist der ganze Zucker auf der Seite nur so rausgestaubt wie eine Rauchwolke. Die Kinder haben sich gleich daran gemacht den Zucker von der Arbeitsfläche zu schlecken. Nachdem ich mir gedacht hab „Egal, wir machen das halt mit Kristallzucker“, hab ich die 8 Eiweiß, die man zu Schnee schlagen soll (mit Dichtungsring) in den Bimby geleert und auf „Mixen“ gedrückt. Nachdem die Eiweiß nach 5 Minuten auf hoher Stufe noch immer flüssig waren, hab ich mir das mal genauer angeschaut. Hab ich erwähnt, dass dieses tolle Gerät sogar erhitzen kann? Ich hab den Mixer auf so schnell gedreht, dass die Maschine sich auf gute 40 Grad erwärmt hat und die Eiweiße hab ich wegleeren müssen. Nachdem ich mit steigender Motivation – nämlich die „Ich will endlich fertig werden“-Motivation – endlich den Handmixer gefunden hab, hat sich aber alles relativ erfolgreich zugetragen.

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Der Giulio war so begeistert, dass er in eine Art Wachkoma beim Kauen gefallen ist.
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Der Sacherkuchen

Nachdem ich um 4.30 offiziell fertig war mit „Arbeiten“ (ja, ich hab sogar eine Mittagspause) hab ich mich entschlossen in das Dorfzentrum von Povo zu marschieren. Das sind gute 15 Minuten den Berg runter, was in Flip Flops ein komisches Unternehmen ist. Auf dem Weg allerdings hab sich mir 2 wunderbare Feigenbäume präsentiert, deren Äste weit auf die Straße gereicht sind. Feigen in Italien sind eine ganz andere Welt, noch dazu frisch gepflückt! Ich bekenne mich als Dieb schuldig, aber nur, weil ich sicher gegangen bin, dass mich niemand gesehen hat.

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Im Supermarkt hab ich etwas Wundervolles gekauft: Roggenbrot 😮
Zwar ist es dieses vorgeschnittene, abgepackte, was in Österreich keiner zweimal anschaut, aber es hat mich inmitten der ganzen süßen Weißmehlprodukte angelächelt, wie ein Prinz auf einem schokoladefarbenem Ross eine Blondine nur anlächeln kann!
Was für ein Festmahl mein Frühstück morgen wird!

Damit entlasse ich euch aus dem Bann meines Blogs für heute und wünsche einen märchenhaften Abend,
Sophie

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Tag 28: Eine komische Mischung

Meine liebsten Leute,
mein frühes Verlassen des Hauses um 7.30 wurde begrüßt von lautem Bellen seitens Olivers, des Hundes.
Wie letzten Sonntag war ich 40 Minuten vor Beginn der Kirche in der Stadt, weil der Bus nur einmal die Stunde fährt. Heute hab ich aber eine willkommene Möglichkeit gefunden diese Zeit zu überbrücken: nach Hause telefonieren.
Falls also jemand daran interessiert ist sonntags um 8.20 zu skypen oder whatsappen -> ich bin online!

An der Kirche hab ich viel Freude gehabt. Wir haben zum Beispiel darüber gesprochen, dass Glaube eine Gabe von Gott ist. Es ist nichts, wofür man sich einfach entscheiden kann. Vom einen Moment auf den anderen entscheide ich mich zu glauben? Geht nicht. Aber man kann gewisse Dinge tun, um dieses Geschenk zu bekommen. Man setzt sich mit dem Evangelium – der frohen Botschaft – auseinander, man betet, man liest nach, was Gott denn eigentlich von uns will, wo wir herkommen, wie wir ein Leben führen können, woran er und wir uns erfreuen und man hofft schlussendlich daran, dass man etwas dafür bekommt.

Gestern bei der Taufe hat mich der Vater der Getauften für heute zum Mittagessen eingeladen, was ich liebend gern angenommen hab. Sie haben mich extra gefragt, ob ich Pasta oder Risotto essen möchte, worauf meine Antwort natürlich Risotto war! Nachher haben die Eltern mir gestanden, dass sie Gemüse püriert und heimlich untergemischt haben, weil ihre Kinder (8 und 13) nicht gerne Gemüse essen. Leider erfolglos. Die beiden Mädels haben gedacht, es wäre eine komische Gewürzmischung und haben nicht viel gegessen.

Um das Essen schnell zu vergessen haben die Mädels ihre Spielesammlung ausgepackt. „Giocate qualcosa che la Sophia non possa conoscere… Come Rummy!“, hat der Familienvater, Christiano gesagt. („Spielt was, das die Sophie sicher nicht kennen kann… Wie etwa Rummy“)
Wer hätte denn ahnen können, dass ich seit ich denken kann bei jedem Besuch bei meinen Urgroßeltern Rummy spiele?

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Nach ein paar anderen Spielen sind wir an einen See in der Nähe gefahren. Die Familie wohnt nämlich in der Valle dei Laghi (im Tal der Seen). Die Kleine hat versucht die Enten mit ihrer Jause zu füttern. Leider hat es nur in aufgeweichtem Brot im Wasser geendet, weil die Anatara (Ente) sich nicht hergetraut hat.

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Ein grüner See ist ein gesunder See?

Gegen 6 wurde ich heimgefahren, wo mich eine leere Wohnung begrüßt hat, weil meine Gastfamilie einen Tag bei den Dolomiten verbracht hat und erst um 8 retourniert ist. Ich bin mir bewusst, dass man normal nur ein ungewolltes Packet retourniert, aber das Italienisch influenziert mein Deutsch. Das Wort klingt wie Influenza und das ist ebenso Absicht.

Ich wünsche einen gesunden Start in die Woche!
Sophie

Tag 27: Keine Angst vor dem Arzt!

Meine liebsten Leute,
eine lange Nacht ausschlafen ist schwierig, wenn Kinder im Hause sind. Um 8 haben die kleinen Teufelchen geplappert, gelacht und geschrien. Aber es war okay, weil ich kann hier nicht allzu viel in der Nacht schlafen und bin schon um 7 von allein aufgewacht.

Meine Gastmutter war heut bisserl unter Strom, weshalb ich angeboten hab, mit den Kindern zum Spielplatz zu gehen.
– Falls ich in meinem Blog irgendwo einen Park erwähnt habe, dann mein ich damit einen Spielplatz. Das italienische Wort parco für Spielplatz affektiert mein Deutsch. –
Die kleine Cousine von meinen Gastkindern ist auch gleich mitgetroddelt. Also sind wir 5 (die vier Kinder und ich) um elf zum Park Spielplatz gegangen. Glücklicherweise hat es einige Bäume gegeben, sodass ich die Kinder größtenteils im Schatten halten hab können.

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Die sonnige Seite des Spielplatzes.

Nach dem Mittagessen (Pasta und Salat) und dem Spielen mit den Kindern haben die Gasteltern mich ein bisschen am Kragen genommen, weil wir alle nicht ganz wissen, wie wir das mit den Arbeitsstunden machen sollen. Wann arbeite ich? Wann nicht? Wie weit im Vorhinein sag ich, dass ich weg bin? Glücklicherweise hab ich ein Netz an Au Pairs und eine hat mir ihren Stundenplan für die Woche geschickt und ich werd das mit meinen Gasteltern auch versuchen. Ich hoffe es klappt!

Dann hab ich schon wieder zum Bus müssen. In der Stadt hab ich mich ein bisschen auf die Suche nach einem langen Pyjama gemacht (erfolglos, aber ich gebe nicht auf, weil die Nächte hier sind 16°C kalt) und kurz danach bin ich schon von der Miki und der Monica von der Kirche abgeholt worden und wir sind nach Bozen zu einer Taufe von einem 8 jährigen Mädchen gefahren. Bei uns in der Kirche wird man frühestens ab 8 getauft, weil die Kinder da schon selber über ihre Religion und ihren Glaube entscheiden können. Bei der Taufe geht man auch ein sogenanntes Bündnis ein, dass man den Geboten folgt und sein Leben mit Christus an der Seite führt. Im Gegenzug dafür bekommt man von Priestertumsträgern (siehe Tag 10) die Hände auf den Kopf gelegt und diese „spenden einem den Heiligen Geist“, was bedeutet, dass man ein besonderes Anrecht darauf hat, dass der Heilige Geist immer mit einem ist und einen führt und leitet.

Die ganze Festlichkeit dauert etwa eine Stunde. Zuerst wird gebetet, dann gesungen, dann hat es eine Ansprache von der Mutter der Getauften gegeben, wo sie beispielsweise erzählt hat, dass die Kleine mit 2 Jahren im Warteraum vom Arzt die Leute gefragt hat, was sie denn hätten und dass sie aber keine Angst oder Sorge zu brauchen hätten, weil der Vater im Himmel bei ihnen sei. Die Mutter hat auch gesagt, dass die Taufe eine ganz besondere Entscheidung sei und viele Segnungen mit sich bringe. Der Vater im Himmel will, dass wir Freude an diesem Leben haben und er führt uns und schickt uns Hilfe, wenn wir sie brauchen.

Dann war die eigentliche Taufe, bei der die Kleine mit ihren Papa (Priestertumsträger) in das Taufbecken (3 Quadratmeter Schwimmbecken) gestiegen ist. Beide waren ganz in weiß angezogen – ein Symbol der Reinheit. Der Vater hat sie beim Namen genannt und ein kurzes Taufgebet im Namen Jesu Christi gesprochen und sie dann komplett unters Wasser getaucht. Und natürlich sofort wieder raufgezogen.

Während sie sich wieder was Trockenes angezogen haben, haben sich alle Anwesenden in der Kapelle eine Mormon Message angeschaut (googlet es, es lohnt sich!). Nachdem die 2 wieder gekommen sind, haben wir noch eine kurze Ansprache gehört, ein Lied gesungen und gebetet. Damit waren die offiziellen Feierlichkeiten vorbei und wir haben das gemacht, was Mormonen so super können: „Picknick“
Wir nennen es Picknick, aber es ist eigentlich ein tolles Buffet, wo jeder was mitnimmt und alle essen.

Ich hab mit Leuten geplauscht, die ich noch nie gesehen habe und noch ein weiteres Jobangebot als Au Pair bekommen. Damit wäre ich jetzt bei 3 Jobangeboten. Die Leute in Bozen sprechen sowohl Italienisch, als auch Deutsch, also hab ich ein bisserl rumgewechselt.

Zuhause angekommen wollte der Giulio unbedingt mit mir schaukeln gehen, was ich ihm natürlich nicht verwehrt habe. Dann hab ich nach Ewigkeiten wieder mit meinen Eltern telefoniert, die mir dann auch ein paar Spieletipps gegeben haben. Nichts reicht an das Spielearsenal von Eltern ran!

Das war also mein Tag!
Übrigens hab ich noch ein Pompelmoeis gegessen. Großer Fehler: ich hab erst kürzlich davor Zähne geputzt!

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Im Hintergrund Piazza d'Uomo

Gute Nacht,
Sophie

Tag 26: Aus dem Norden

Hallo meine liebsten Leute,
meine Gasteltern werden heute nicht früh schlafen gehen.

Ich bin nämlich gerade (um 20:34) auf dem Weg in die Stadt rein, um mit ein paar anderen Au Pairs einen deutschen Sänger in einer Bar singen zu hören. Vorher brauchen wir alle noch ein Gelato, weil es ist heiß! Ich hab eine lange Hose an, denn trotz der 36 Grad am Tag, hat es am Berg, auf dem wir wohnen, gefühlte 16.

Meine Gasteltern haben mich vorgewarnt auf welche Piazzen ich alles nicht gehen soll, weil es gefährlich sei und, dass ich anrufen solle, wenn ich was brauch. Die machen sich echt Sorgen! ❤

Nun zu meinem Tag:
Die Bea ist heute mit ein bisschen einem Stursinn aufgestanden. Ihr Frühstück wollte sie schon nicht fertig essen, dann wollte sie auf einmal nicht mehr in die Bibliothek gehen, obwohl sie sich das am Vortag gewunschen hat, und stattdessen hab ich sie dann zu Mathematikhausübung gezwungen! Das arme Kind, was tu‘ ich ihr nur an? 😜

Nach dem Mittagessen hab ich dann wieder mein obligatorisches Schläfchen gemacht, weil ich einfach nach dem Essen so erschöpft bin. Es hat übrigens Vollkornpasta gegeben und ich muss gestehen, dass ich die letzten 3 Tage Nudeln vermisst habe! Oh Italien, was tust du mir an?

Die Monica wollte mich nicht aufwecken, die süße Frau, und hat deshalb einen Zettel hinterlassen, dass sie im Park von gestern sind und ich gern nachkommen kann, was ich natürlich liebend gern gemacht habe.

Das Abendessen hab ich verschlungen und mit dem Gabri geteilt, dann bin ich zum Bus gerannt.

UPDATE:
Der Abend war ein voller Erfolg! Der Sänger zwar nicht, weil die Boxen nicht gut eingestellt waren, sodass er einfach nur laut und schrill geklungen hat, aber wir haben es überlebt!
Sobald er fertig war, sind die ganzen Studenten aus ihren Löchern gekrochen. Ich hab zwei Brasilianer, einen Engländer aus Newcastle und noch ein paar kennen gelernt. Der Engländer hat versucht den Akzent einer englischen Au Pair zu erraten, worauf ich ihm meinen schottischen geliefert hab. Er hat eine Minute verunsichert rumgeraten, bis mein Grinser mich verraten hat. „Are you from up north?“ hat er gefragt, worauf ich gelacht hab: „Noooh, not at all!“ Nachher hat er gesagt niemand spricht so schottisch und eine andere Au Pair, die in Glasgow wohnt hat gesagt, sie hätte noch nie so einen perfekten schottischen Akzent gehört. Es war total lustig sich mit wildfremden Personen zu unterhalten! Das is das wahre Leben!

Hier ein schnelles Selfie von den andern Au Pairs und dem Freund von einer Au Pair:

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Von links nach rechts kommen wir aus Österreich, Lettland, Groß Britannien, Ukraine und Ukraine! (eine andere Au Pair aus England ist später gekommen, drum ist sie nicht am Foto)

Meine Gastmutter ist wach geworden, wie ich gekommen bin, weil der Hund gebellt hat, was er immer macht, wenn sich irgendwer in der Nacht bewegt, aber sie hat es mit einem erleichterten Grinser abgetan, weil sie froh ist, dass ich nicht in der Stadt umgebracht worden bin.

Gute Nacht!
Sophie

Tag 25: Bis Sonntag zählen

Meine liebsten Leute,
ich muss euch was gestehen! Heute war ein guter Tag.

Ihr verfolgt alle fleißig mein Abenteuer und ich bekomm so viele liebe Grüße und Glückwünsche, aber bis jetzt hat es sich nicht wie ein Abenteuer angefühlt. Meine ersten 2 Wochen hier, die ich bei der falschen Familie verbracht habe, hab ich mich nur Tag für Tag durchgekämpft.

„Es sind nur zwei Monate. Irgendwann kommst du wieder heim, Sophie“, hab ich mir gesagt, „Entscheide dich kommenden Sonntag, ob du bleibst. Es sind nur noch 3 Tage bis Sonntag. Und danach schaffst du noch eine Woche.“

Ich hab die Tage gezählt, bis mein Zug zurück nach Wien fährt. Auch dieses Wochenende im Wohnmobil mit wenig Schlaf und noch weniger Nerven habe ich mir gedacht, was ich denn hier mache. Ich bin zwar gerne Babysitter, aber mag ich Kinder wirklich genug, um jeden Tag für sie da zu sein? Wenn ich doch hauptsächlich für die Sprache und die Kultur gekommen bin, was ist dann, wenn ich mit der Arbeit, nämlich der Kinderbeaufsichtigung, nicht zurecht komme?

Die Antwort ist: Ich kann das. Am Anfang ist es echt komisch, weil die Kinder haben mich sofort lieb gehabt und auch ich war sehr angetan von ihnen. Aber erst jetzt kennen wir einander gut genug, dass wir uns zum Beispiel gegenseitig (spaßhalber) aufziehen und ärgern können. Ich weiß, was die Kinder selber können und wo sie Hilfe brauchen. Ich kann sie dazu zwingen Hausübung zu machen.

Das ist nämlich, was wir heute gemacht haben. Die Großen und ich haben Deutsch HÜ gemacht. Weil wir das Buch von der Bea nicht gefunden haben, hab ich ihr Aufgaben erfunden und es war nicht allzu schwierig. Als Belohnung durften sie ein bisserl Tom Turbo schauen. Auf Deutsch und mit gelegentlicher Übersetzung meinerseits, versteht sich.
Beim Abräumen vom Mittagessen hat sich plötzlich alles gedreht und ich hab vergessen, wo ich bin, also hab ich mich hingelegt und versucht mich bissl auszuruhen.

Nach meinem kleinen Pisolino, in Kindersprache auch Nanna genannt, haben wir uns mit ein paar anderen Müttern (und natürlich deren Kindern) im Park getroffen. Ich hab den Giuli etwa eine halbe Stunde in seiner Schaukel angetaucht. Dabei wollte er seinen Fußball nicht loslassen, obwohl der Ball größer war als sein Kopf, was bedeutet, es war nicht so angenehm für ihn.

Ich hab mich abgewechselt zwischen mit ihm und einer anderen Kleinen zu spielen, den Müttern zuhören versuchen und mit der Bea und einer Freundin zu spielen. Das mag vielleicht anstrengend oder stressig klingen, aber es war eigentlich total entspannt und angenehm. Es gefällt mir hier sehr gut und ich fühl mich inzwischen sehr wohl mit der Familie.

Ich hab zwar noch immer hin und wieder Heimweh und frag mich, was ich hier mache, aber langsam fühlt es sich an, wie das Abenteuer, das ich mir erhofft habe!

Sophie

Tag 24: Der faule Pinocchio

Hupsi! Da ist uns wohl ein Fehler unterlaufen!
Der ganze Beitrag von heute ist verschwunden!

Naja gut, dann erzähl ich’s einfach nochmal.

Meine liebsten Leute,
heute haben wir im Camper einfach auf einem Parkplatz geschlafen, nachdem wir bei Freunden Abendessen waren und dann um 9 am Abend alle zu müde waren uns den Pyjama anzuziehen, geschweige denn einen Campingplatz aufzusuchen.

Glücklicherweise war es die letzte Nacht im Wohnwagen. Heute hab ich sogar geträumt, dass meine Schwester und noch ein paar andere Freunde mich aus ihrem Heim scheuchen und sagen, sie wollen mich nie wieder sehen. Die Nächte im Wohnwagen sind echt nicht schön.

Klarerweise wirken die sich auf meinen Tag aus und heute war ich missmutig drauf. Ich hab sogar ein Pastadrama gehabt, weil ich keine Pasta mehr sehen kann. Jeden Tag gibt es Pasta, das passt meinem Magen nicht!
Bei dieser Familie wenigstens nur einmal am Tag und es gibt immer Salat dazu. Also normalerweise. Im Camper isst man natürlich nur Blödsinn… Und Pasta.

Das Mittagessen – nicht Pasta, sondern Semmeln mit Käse – haben wir am Lago di Misuria eingenommen. Der ist schon in der Region Veneto, derselben Region wo auch Venedig ist. Von dort aus sieht man 2 von 3 Dolomitenspitzen. Meiner Meinung sehen die aus wie Pyramiden aus Stein.

Endlich hat wieder die Sonne geschienen und während die Eltern und Freunde einen Spaziergang um den kleinen See gemacht haben, haben die Kinder und ich auf der Picknickdecke geschlafen.

Die Heimfahrt war ganze 4 Stunden. Wir sind zwar an vielen schönen Dörfern vorbeigefahren, aber meine grantige Laune, mein Kopfweh, die holprige Fahrt und das Gegröle der Gesang der Kinder haben das Ganze ziemlich mühsam gemacht.

Trotzdem war ich froh, dass wir gemeinsam in diesem Winzding campen waren. Es ist tatsächlich totales bonding mit der Familie gewesen. Ich war am Abend nur 3 Minuten allein in meinem Zimmer und es war total komisch nicht bei der Familie zu sein.

Kleiner Fun Fact, den die Bea heute gesagt hat:
Tu sei Pi, io sono Nocchio. Perché tu sei pigro, ma insieme siamo Pinocchio
Du bist Pi, ich bin Nocchio. Weil du bist faul (pigro -> sehr schönes spontanes Wortspiel), aber zusammen sind wir Pinocchio.

Noch ein kleiner Fun Fact: Dort wo wir während dem Seeaufenthalt den Canper geparkt haben, hat sich folgendes Schild befunden:
Dieses Bild kann derzeit nicht hochgeladen werden! Es wird aber sobald als möglich raufgeladen, also checkt diesen Blogpost in 2 Tagen wieder. 😧

Bussi, baba,
Sophie

Tag 23: Die Kälte dauert an

Meine liebsten Leute,
mit Eiszapfen anstelle von Fingern und mit dem süßlichen Geruch von einem Wohnmobilklo in der Nase schreibe ich euch müde und erschöpft diese paar Zeilen.

Mir wurde eine weitere Decke für die Nacht gegeben, somit waren es 3, die mich heute vor dem harten Frost bewahrt haben.
Glücklicherweise hat das Wetter es gut mit uns gemeint. Auch wenn es nur 15 Grad gehabt hat, habe wir Glück im Unglück gehabt und uns ist der Regen heute wenigstens erspart geblieben.

So haben wir also die Reise ins Nachbarkaff, was tatsächlich das letzte Kaff (vor Österreich) war, angetreten. Von dort aus wären es nur noch 9 km ins so sehr vermisste Heimatland gewesen. Auf der 20 Minütigen Reise ist uns im Wohnwagen Diverses entgegengeflogen. Wir sind von den Memorykarten, dem Besen, der Sonnenbrille und Weiteren hinterhältig attackiert worden. Meine Kameraden, Beatrice und Gabriele, haben diese Umstände besonders mitgenommen, weshalb sich eine heftige Auseinandersetzung über das aktuelle Kartenspiel ergeben hat.

Endlich angekommen, haben wir uns beschuht, noch einen Pulli übergezogen und sind los. Zwei Stunden haben wir uns bergauf gekämpft. Um ehrlich zu sein, hab ich die Redewendung „jetzt geht es endlich wieder bergauf“ noch nie wirklich als positiv aufgefasst.

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Als endlich die Hütte in Sicht war, waren wir verschwitzt. Die tausend Jacken und Pullis haben wir uns nach kurzer Zeit wieder angezogen, denn es war kalt. Etwa 5° Celsius kalt. Wir haben unsere Weckerl (so nah an Ö gibt es g’scheite Vollkornweckerl) verschlungen und einen Kakao bestellt (also den Kakao hab ich bestellt, die Italiener natürlich einen Kaffee).

Als alle wieder bereit waren, den Berg zu verlassen haben wir uns angestellt. Diesen Berg verlässt man nämlich auf der Sommerrodelbahn! Ich bin mit dem Gabriele gefahren, weil er sich nicht allein getraut hat. Wir haben viel Spaß gehabt, aber es hat uns ein bisserl geärgert, dass uns der Alessandro (Vater) mit dem 2 jährigen Giulio eingeholt hat!!

Dann haben wir einen Spaziergang in San Candido bis zur Kirche gemacht. Dort haben wir 50 Minuten auf den Alessandro gewartet, der inzwischen das Wohnmobil irgendwohin replaziert hat und dessen Handy keinen Empfang gehabt hat. Natürlich haben wir keinen Treffpunkt ausgemacht, was die lange Wartezeit erklärt.

Jetzt am Abend sind wir bei Freunden abendessen, die eine Wohnung in einem Horrorfilmhaus haben. Es schaut drinnen aus wie in einem Hotel aus 1920. Rote Stoffwände, roter Teppich, Wandluster, alles! Die Türnummern sind überhaupt nicht geordnet. Die Tür neben 2453 ist 2058. Es ist neun am Abend und langsam schlaf ich hier echt ein!

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Nur noch 39 Tage bis ich daheim bin. Not that I’m counting.

Gute Nacht,
Sophie

Tag 22: Selbst das Schwimmbad fällt ins Wasser

Hallo meine liebsten Leute,
die erste Nacht im Wohnmobil ist überstanden! Es fehlen mir also nur noch 2 und dann bin ich endlich wieder in einem Bett, wo ich mir nicht bei jeder Bewegung was anhau!

Kleine Nebenbemerkungen: die Bea schnarcht ein bisschen, dafür grummelt der Oliver (der Hund) hier nicht. Sobald wir wieder in Trento sind schläft er draußen, hat die Monica gesagt.

Den ganzen Vormittag hat es geregnet, weshalb wir geplant haben in ein Schwimmbad ein Dorf weiter zu gehen. Auf Italienisch nennt man das Schwimmbad piscina – Pischina ausgesprochen; ja, nach einer Weile hört es sich tatsächlich nicht mehr an wie pischen oder wischeln! Für die Nicht-Österreicher: das sind 2 Worte, die den Akt der Blasenentleerung beschreiben. Das erste ist aber eher vulgär und wird nur von Pubertierenden verwendet, denen „Pipi machen“ zu kindisch ist.)

Gegen elf haben wir aber von Freunden erfahren, dass das der Schlechtwetterplan von allen Familien im Umkreis von 6 Käffern war. Es war so voll, dass sie niemanden mehr reingelassen haben. Dieses Schwimmbad ist für uns also…. Ins Wasser gefallen.
Somit wurden die Kinder auf das Trampolin am kleinen Spielplatz losgelassen, das glücklicherweise überdacht war.
Glücklicherweise sind wir nah genug an Österreich (circa 30 Minuten mit dem Auto), dass es hier Vollkornweckerl gibt! Zwei davon mit Philadelphia waren nämlich unser Mittagessen. Also 2 pro Person 😛

Am Campingplatz gibt es auch ein echt schönes Indoorschwimmbad, das aber eher klein und eher auf Entspannung ausgelegt ist. Die Akustik war echt wunderbar, so haben wir die vielen Kinder dort gleich tausendfach verstärkt gehört! Naja sagen wir’s mal so, der Raum of Silence war nicht sehr silent. Ach Sarkasmus beiseite, es war ein echt schönes Bad, die Kinder und auch ich haben viel Spaß dort gehabt! Sie haben in der Mitte vom Raum eine Art Lagerfeuergriller – ohne Grillgut, aber es schaut aus wie ein Griller am Boden -, der den ganzen Raum aufheizt. Die Kinder waren total begeistert!

Nachher hab ich mir ob der Kälte outside eine Kneipp Dusche gegönnt. Ih war von der warmen Luft im Bad so aufgeheizt, dass das sogar angenehm war!

Dann haben wir Spielkarten gekauft und wer hätte es geahnt, es sind Briscola Karten!! Im Grunde sind es eh normale Spielkarten, nur dass sie statt Farben Schwerter, Becher, Münzen und Stöcke haben. Und es gibt keine Königin. Macht das Ganze zwar „sexistisch“, aber das is mir total egal. Es macht es aber schwieriger zu unterscheiden, welche Karte welchen Rang hat und das stört mich sehr wohl! 😛

Ich hab den Kindern mit den Karten also Präsident beigebracht und hab den Dorftrottel einfach asino (Esel) genannt, weil mir keine bessere Übersetzung eingefallen ist.

Heute hab ich noch eine dickere Decke zum Schlafen. Hoffentlich erfrier ich morgen früh nicht so wie heute.
Warme Träume!
Sophie

Tag 21: Das Abendmahl

Hallo, meine liebsten Leute,
mein Sonntag hat ein paar Mal angefangen. Der Hund, Oliver, ist nämlich sehr ängstlich und bei jedem kleinsten Geräusch – wie etwa ein Bumpern einen Stock höher oder eine Sophie, die in der Nacht ihre Tür aufmacht, um aufs Klo zu gehen – grummelt er wie ein Flugzeug oder bellt einfach drauf los.

Um 7 Uhr hat er dann richtig angefangen, weil ich für die Kirche aufgestanden bin. Ich wurde begrüßt von, ihr wisst es schon, einem Grummeln und Bellen. Sobald ich dann draußen war, wurde ich aber begrüßt von eiskalter Luft und Sonnenstrahlen, die grad amal den Gipfel erreicht haben, aber den restlichen Berg noch nicht.

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Der Bus runter in die Stadt fährt nur einmal die Stunde, weshalb ich dann um 8 schon in der Stadt war und dann 20 Minuten zu Fuß gegangen bin. Kleine Info: die Kirche hat erst um 9 begonnen.
Es ist nur eine kleine Gemeinde von etwa 50 Leuten durchschnittlich. Im Sommer sind alle auf Urlaub, aber es waren trotzdem gute 35 Leute da.

Die Mitglieder waren alle total herzlich und haben gefragt wie’s mir geht, von wo ich bin, wie lang ich da bin, usw. Ich hab mich ein bisserl wie ein Missionar gefühlt, weil ich 3-4 Essenseinladungen bekommen hab. Wer nicht mit unseren Kirchengepflogenheiten bekannt ist, in meiner Gemeinde wird zum Beispiel sogar jeden Sonntag ein Kalender durchgegeben, wo die Mitglieder eintragen, wann sie die Missionare zum Essen einladen.

Ich hab den vielen Einladungen für heute leider absagen müssen, weil ich zum Mittagessen schon bei den Eltern von meinem Gastvater eingeladen war. Die Oma war total aufgeregt, dass die Kleinen da waren, dass sie total zappelig war und um die Kinder herumgewuselt ist. Das hat sich natürlich auf die Kinder ausgewirkt, die dann ebenso zappelig geworden sind bzw. sich alles erlaubt haben. Nur so ein kleiner Hinweis für alle Großeltern: es ist nicht gut.
Obwohl ich mir sicher bin, dass die gute Frau heut Nacht gut schlafen wird und voller Erschöpfung sofort wegpennt.

Die Familie und ich sind schnell geflüchtet, weil einerseits die Zappelei anstrengend für uns war, andererseits haben uns die Gelsen dort total gefressen. Somit waren wir der Gelsen Abendmahl. Kurz später: 3 Stunden in einem älteren Wohnmobil ohne Gurt mit dem Film Anastasia, den ich vorher noch nie gesehn hab und es hat so viel Krach von der Fahrt gegeben, dass wir den Film überhaupt gar nicht gehört haben.

Naja, wie auch immer. Endlich angekommen war es hier mega kalt. Eine Leggings, eine Jogginghose, ein langes Leiberl, eine Fleece-Weste und eine Regenjacke gegen den Wind und mir war halbwegs warm. Wie haben uns den Campingplatz bissl angeschaut und er ist echt mega! Es gibt hier ein Pool, ein Spa, ein Pool drinnen, einen kleinen kleinen Spielplatz für die Kinder, wo es auch ein Trampolin und eine Slackline gibt und die Bäder sind auf römische Therme hergerichtet!
Ich hab mit den Eltern mehr reden können und hab langsam das Gefühl, dass wir uns anfreunden. Nicht, dass das Gefühl vorher nicht da war, aber jetzt ist der Prozess im Gange. Die Kinder sind eh schon längst in meinem Bann… Oder ist es umgekehrt?

Kalte Grüße,
Sophie

Tag 20: In einer italienischen Küche gelingt nur italienische Küche

Grüß euch meine liebsten Leute,
an meinem ersten Samstag in der neuen Familie hab ich das gemacht, was ich an meinem ersten Tag in Italien vor fast 3 Wochen gegessen hab. Und damit mein ich nicht jede Menge Schokolade und anderes ungesundes Reisefutter!
Ich mein

PIZZA!

Es muss tatsächlich am Mehl liegen, das uns, laut meinem Paps, in Österreich fehlt. Hier gibt es 2 Sorten Mehl: Farina 00, was man für Torten und so verwendet und Farina 0, was man für Pizza und Focaccia verwendet. Hier gibt es nichts von wegen 750 Roggenmehl für dieses und jenes Brot und 250 für Sachertorten.
Also, wie auch immer, die Mozzarella und Paradeiser Pizza, die ich mit allen 3 Kindern gemacht hab, ist gelungen!

Kleine Sidenote: das Spiel Donner, Wetter, Blitz heißt hier irgendwas mit Stelle (Sterne), aber Ich seh, ich seh, was du nicht siehst gibt es hier überhaupt nicht. Was bedeutet, dass es bei den Kindern ein totaler Hit ist.

Eine Wanderung nach dem Mittagessen war meinem kleinen Herzen mit Heimweh zu viel und während die Familie eben bis am Abend wandern war, hab ich mich ganz meinem Herzschmerz hingegeben, der hier übrigens Nostalgia (das gia spricht man wieder dschia aus) heißt. Glücklicherweise war er diesmal nicht ganz so stark wie die Wochen davor und ich konnte ihn mit einem Anruf in die Heimat und ein bisserl österreichischer Küche besiegen. Meine Semmelknödel sind total daneben gegangen, weil ich die Semmeln zu klein gehexelt hab und die Milch hier… Naja die Milch hier ist süß und schmeckt kein bisschen nach Milch! Latte intero – Haltbarmilch – heißt das hier. Alle haben sie, ich hab keine Ahnung warum. Selbst unsere Haltbarmilch in Ö schmeckt mehr nach Milch als das.

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Jup, die Farbe ist echt so...

Naja das war also mein Tag,
Morgen kann ich in die Kirche gehn!!
Sophie