Meine liebsten Leute,
Heute bin ich besonders gesegnet. Ein Priestertumsträger der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, meiner Kirche, kommt heute am Abend aus Trento, um mir einen Krankensegen zu geben. Wer sich mit meiner Religion nicht so gut auskennt: bei uns kann ein männliches Mitglied ab 12 Jahren das Aaronische Priestertum tragen, was auch das vorbereitende Priestertum genannt wird. Es ist also eine Berufung vom himmlischen Vater, die auf das so genannte Melchisedekische Priestertum vorbereiten soll, das man ab 18 Jahren bekommen kann, wenn die Person dafür bereit ist.

Das Aaronische Priestertum hat in sich selbst auch mehrere Stufen, so kann man anfangs das Abendmahl an die Mitglieder austeilen, es segnen und dann sogar neue Mitglieder taufen.

Das Melchisedekische bietet noch mehr Möglichkeiten. So kann einer kranken Person, wie mir etwa grade, ein Segen gegen werden. Dieser besteht erst aus einem Tropfen geweihtem Öl auf den Kopf (Salbung) und dann dem eigentlichen Segen, in dem der Priestertumsträger durch den heiligen Geist Worte zur kranken Person spricht, die ihr bei der Genesung helfen. Oft heißt es „mach dir keine Sorgen, dein himmlischer Vater passt auf dich auf“ oder „du wirst durch deinen Glauben geheilt“. Aber jeder Segen ist anders, weil jede Krankheit ist anders und jede Situation und Person ist anders.

Solche Segen sind ein wahres Wunder Gottes. Sie sind die Art Segen, die Jesus gegeben hat, um Blinde wieder sehen zu lassen und ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, dass ich in einem fremden Land, auf einem fremden Berg, irgendwo in einem winzigen Kaff, die Möglichkeit hab, so einen Segen zu bekommen.

Ich bin dankbar, dass mein Papa sich als so eine große Spinne bewiesen hat, die in der Mitte vom weltweiten Mormonenspinnennetz an Connections zu anderen Gemeinden sitzt und weiß, welche Fäden man ziehen muss, um einen Helfer in ein Alpenkuhdorf zu seiner kranken Spinnentochter zu schicken.

Und ich weiß auch, dass der Vater im Himmel diesem Mann die richtigen Worte geben wird, die ich mit meinem langsamen Italienisch auch verstehen kann.

Liebe Grüße,
Sophie

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Ein Gedanke zu “Tag 10: Mein Papa sitzt im Spinnennetz

  1. Meine liebe Thekla,
    Das ist einer der großen Vorteil, den wir in der Kirche haben: Ein großes Netz, und in diesem Netz viele, die es ausgesprochen ernst meinen mit dem Dienst am Nächsten.

    Ich hoffe, es geht Dir bald ganz gut und Du hast Freude an Deinem Au Pairen.

    Dein Spinnenvater

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