Meine liebsten Leute,
mit Eiszapfen anstelle von Fingern und mit dem süßlichen Geruch von einem Wohnmobilklo in der Nase schreibe ich euch müde und erschöpft diese paar Zeilen.

Mir wurde eine weitere Decke für die Nacht gegeben, somit waren es 3, die mich heute vor dem harten Frost bewahrt haben.
Glücklicherweise hat das Wetter es gut mit uns gemeint. Auch wenn es nur 15 Grad gehabt hat, habe wir Glück im Unglück gehabt und uns ist der Regen heute wenigstens erspart geblieben.

So haben wir also die Reise ins Nachbarkaff, was tatsächlich das letzte Kaff (vor Österreich) war, angetreten. Von dort aus wären es nur noch 9 km ins so sehr vermisste Heimatland gewesen. Auf der 20 Minütigen Reise ist uns im Wohnwagen Diverses entgegengeflogen. Wir sind von den Memorykarten, dem Besen, der Sonnenbrille und Weiteren hinterhältig attackiert worden. Meine Kameraden, Beatrice und Gabriele, haben diese Umstände besonders mitgenommen, weshalb sich eine heftige Auseinandersetzung über das aktuelle Kartenspiel ergeben hat.

Endlich angekommen, haben wir uns beschuht, noch einen Pulli übergezogen und sind los. Zwei Stunden haben wir uns bergauf gekämpft. Um ehrlich zu sein, hab ich die Redewendung „jetzt geht es endlich wieder bergauf“ noch nie wirklich als positiv aufgefasst.

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Als endlich die Hütte in Sicht war, waren wir verschwitzt. Die tausend Jacken und Pullis haben wir uns nach kurzer Zeit wieder angezogen, denn es war kalt. Etwa 5° Celsius kalt. Wir haben unsere Weckerl (so nah an Ö gibt es g’scheite Vollkornweckerl) verschlungen und einen Kakao bestellt (also den Kakao hab ich bestellt, die Italiener natürlich einen Kaffee).

Als alle wieder bereit waren, den Berg zu verlassen haben wir uns angestellt. Diesen Berg verlässt man nämlich auf der Sommerrodelbahn! Ich bin mit dem Gabriele gefahren, weil er sich nicht allein getraut hat. Wir haben viel Spaß gehabt, aber es hat uns ein bisserl geärgert, dass uns der Alessandro (Vater) mit dem 2 jährigen Giulio eingeholt hat!!

Dann haben wir einen Spaziergang in San Candido bis zur Kirche gemacht. Dort haben wir 50 Minuten auf den Alessandro gewartet, der inzwischen das Wohnmobil irgendwohin replaziert hat und dessen Handy keinen Empfang gehabt hat. Natürlich haben wir keinen Treffpunkt ausgemacht, was die lange Wartezeit erklärt.

Jetzt am Abend sind wir bei Freunden abendessen, die eine Wohnung in einem Horrorfilmhaus haben. Es schaut drinnen aus wie in einem Hotel aus 1920. Rote Stoffwände, roter Teppich, Wandluster, alles! Die Türnummern sind überhaupt nicht geordnet. Die Tür neben 2453 ist 2058. Es ist neun am Abend und langsam schlaf ich hier echt ein!

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Nur noch 39 Tage bis ich daheim bin. Not that I’m counting.

Gute Nacht,
Sophie

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