Meine liebsten Leute,
ich muss euch was gestehen! Heute war ein guter Tag.

Ihr verfolgt alle fleißig mein Abenteuer und ich bekomm so viele liebe Grüße und Glückwünsche, aber bis jetzt hat es sich nicht wie ein Abenteuer angefühlt. Meine ersten 2 Wochen hier, die ich bei der falschen Familie verbracht habe, hab ich mich nur Tag für Tag durchgekämpft.

„Es sind nur zwei Monate. Irgendwann kommst du wieder heim, Sophie“, hab ich mir gesagt, „Entscheide dich kommenden Sonntag, ob du bleibst. Es sind nur noch 3 Tage bis Sonntag. Und danach schaffst du noch eine Woche.“

Ich hab die Tage gezählt, bis mein Zug zurück nach Wien fährt. Auch dieses Wochenende im Wohnmobil mit wenig Schlaf und noch weniger Nerven habe ich mir gedacht, was ich denn hier mache. Ich bin zwar gerne Babysitter, aber mag ich Kinder wirklich genug, um jeden Tag für sie da zu sein? Wenn ich doch hauptsächlich für die Sprache und die Kultur gekommen bin, was ist dann, wenn ich mit der Arbeit, nämlich der Kinderbeaufsichtigung, nicht zurecht komme?

Die Antwort ist: Ich kann das. Am Anfang ist es echt komisch, weil die Kinder haben mich sofort lieb gehabt und auch ich war sehr angetan von ihnen. Aber erst jetzt kennen wir einander gut genug, dass wir uns zum Beispiel gegenseitig (spaßhalber) aufziehen und ärgern können. Ich weiß, was die Kinder selber können und wo sie Hilfe brauchen. Ich kann sie dazu zwingen Hausübung zu machen.

Das ist nämlich, was wir heute gemacht haben. Die Großen und ich haben Deutsch HÜ gemacht. Weil wir das Buch von der Bea nicht gefunden haben, hab ich ihr Aufgaben erfunden und es war nicht allzu schwierig. Als Belohnung durften sie ein bisserl Tom Turbo schauen. Auf Deutsch und mit gelegentlicher Übersetzung meinerseits, versteht sich.
Beim Abräumen vom Mittagessen hat sich plötzlich alles gedreht und ich hab vergessen, wo ich bin, also hab ich mich hingelegt und versucht mich bissl auszuruhen.

Nach meinem kleinen Pisolino, in Kindersprache auch Nanna genannt, haben wir uns mit ein paar anderen Müttern (und natürlich deren Kindern) im Park getroffen. Ich hab den Giuli etwa eine halbe Stunde in seiner Schaukel angetaucht. Dabei wollte er seinen Fußball nicht loslassen, obwohl der Ball größer war als sein Kopf, was bedeutet, es war nicht so angenehm für ihn.

Ich hab mich abgewechselt zwischen mit ihm und einer anderen Kleinen zu spielen, den Müttern zuhören versuchen und mit der Bea und einer Freundin zu spielen. Das mag vielleicht anstrengend oder stressig klingen, aber es war eigentlich total entspannt und angenehm. Es gefällt mir hier sehr gut und ich fühl mich inzwischen sehr wohl mit der Familie.

Ich hab zwar noch immer hin und wieder Heimweh und frag mich, was ich hier mache, aber langsam fühlt es sich an, wie das Abenteuer, das ich mir erhofft habe!

Sophie

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