Meine liebsten Leute,
eine lange Nacht ausschlafen ist schwierig, wenn Kinder im Hause sind. Um 8 haben die kleinen Teufelchen geplappert, gelacht und geschrien. Aber es war okay, weil ich kann hier nicht allzu viel in der Nacht schlafen und bin schon um 7 von allein aufgewacht.

Meine Gastmutter war heut bisserl unter Strom, weshalb ich angeboten hab, mit den Kindern zum Spielplatz zu gehen.
– Falls ich in meinem Blog irgendwo einen Park erwähnt habe, dann mein ich damit einen Spielplatz. Das italienische Wort parco für Spielplatz affektiert mein Deutsch. –
Die kleine Cousine von meinen Gastkindern ist auch gleich mitgetroddelt. Also sind wir 5 (die vier Kinder und ich) um elf zum Park Spielplatz gegangen. Glücklicherweise hat es einige Bäume gegeben, sodass ich die Kinder größtenteils im Schatten halten hab können.

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Die sonnige Seite des Spielplatzes.

Nach dem Mittagessen (Pasta und Salat) und dem Spielen mit den Kindern haben die Gasteltern mich ein bisschen am Kragen genommen, weil wir alle nicht ganz wissen, wie wir das mit den Arbeitsstunden machen sollen. Wann arbeite ich? Wann nicht? Wie weit im Vorhinein sag ich, dass ich weg bin? Glücklicherweise hab ich ein Netz an Au Pairs und eine hat mir ihren Stundenplan für die Woche geschickt und ich werd das mit meinen Gasteltern auch versuchen. Ich hoffe es klappt!

Dann hab ich schon wieder zum Bus müssen. In der Stadt hab ich mich ein bisschen auf die Suche nach einem langen Pyjama gemacht (erfolglos, aber ich gebe nicht auf, weil die Nächte hier sind 16°C kalt) und kurz danach bin ich schon von der Miki und der Monica von der Kirche abgeholt worden und wir sind nach Bozen zu einer Taufe von einem 8 jährigen Mädchen gefahren. Bei uns in der Kirche wird man frühestens ab 8 getauft, weil die Kinder da schon selber über ihre Religion und ihren Glaube entscheiden können. Bei der Taufe geht man auch ein sogenanntes Bündnis ein, dass man den Geboten folgt und sein Leben mit Christus an der Seite führt. Im Gegenzug dafür bekommt man von Priestertumsträgern (siehe Tag 10) die Hände auf den Kopf gelegt und diese „spenden einem den Heiligen Geist“, was bedeutet, dass man ein besonderes Anrecht darauf hat, dass der Heilige Geist immer mit einem ist und einen führt und leitet.

Die ganze Festlichkeit dauert etwa eine Stunde. Zuerst wird gebetet, dann gesungen, dann hat es eine Ansprache von der Mutter der Getauften gegeben, wo sie beispielsweise erzählt hat, dass die Kleine mit 2 Jahren im Warteraum vom Arzt die Leute gefragt hat, was sie denn hätten und dass sie aber keine Angst oder Sorge zu brauchen hätten, weil der Vater im Himmel bei ihnen sei. Die Mutter hat auch gesagt, dass die Taufe eine ganz besondere Entscheidung sei und viele Segnungen mit sich bringe. Der Vater im Himmel will, dass wir Freude an diesem Leben haben und er führt uns und schickt uns Hilfe, wenn wir sie brauchen.

Dann war die eigentliche Taufe, bei der die Kleine mit ihren Papa (Priestertumsträger) in das Taufbecken (3 Quadratmeter Schwimmbecken) gestiegen ist. Beide waren ganz in weiß angezogen – ein Symbol der Reinheit. Der Vater hat sie beim Namen genannt und ein kurzes Taufgebet im Namen Jesu Christi gesprochen und sie dann komplett unters Wasser getaucht. Und natürlich sofort wieder raufgezogen.

Während sie sich wieder was Trockenes angezogen haben, haben sich alle Anwesenden in der Kapelle eine Mormon Message angeschaut (googlet es, es lohnt sich!). Nachdem die 2 wieder gekommen sind, haben wir noch eine kurze Ansprache gehört, ein Lied gesungen und gebetet. Damit waren die offiziellen Feierlichkeiten vorbei und wir haben das gemacht, was Mormonen so super können: „Picknick“
Wir nennen es Picknick, aber es ist eigentlich ein tolles Buffet, wo jeder was mitnimmt und alle essen.

Ich hab mit Leuten geplauscht, die ich noch nie gesehen habe und noch ein weiteres Jobangebot als Au Pair bekommen. Damit wäre ich jetzt bei 3 Jobangeboten. Die Leute in Bozen sprechen sowohl Italienisch, als auch Deutsch, also hab ich ein bisserl rumgewechselt.

Zuhause angekommen wollte der Giulio unbedingt mit mir schaukeln gehen, was ich ihm natürlich nicht verwehrt habe. Dann hab ich nach Ewigkeiten wieder mit meinen Eltern telefoniert, die mir dann auch ein paar Spieletipps gegeben haben. Nichts reicht an das Spielearsenal von Eltern ran!

Das war also mein Tag!
Übrigens hab ich noch ein Pompelmoeis gegessen. Großer Fehler: ich hab erst kürzlich davor Zähne geputzt!

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Im Hintergrund Piazza d'Uomo

Gute Nacht,
Sophie

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