Meine liebsten Leute,
wie gestern bin ich früh aufgestanden. Heute um 7.20, weil um 7.30 laut meinem wundervollen Stundenplan meine Arbeit anfängt.

Ich bin zu dieser frühen Stunde meinem Gastvater und dem Ältesten, Gabriele, begegnet. Der Letztere hat diese Woche einen Englischkurs von 8-16 Uhr. Gerade als die beiden gegangen sind, ist die Beatrice aufgewacht. Zum Frühstück haben wir uns „pane“ bianco (weißes „Brot“) mit Marmelade und selbstgezüchtetem Honig (vom Opa, der einen Stock unter uns wohnt) gemacht. Dieses Brot ist eigentlich dieser Briochetoast, süß und schwammig weich. Ja, in Italien ist alles einfach süß. Hab ich schon von der Milch erzählt? Hier gibt es nur Haltbarmilch, die voll gezuckert ist und kein Bisschen nach Milch schmeckt.
Langsam gewöhn ich mich aber daran, bin aber froh, dass ich nur noch ein Monat im Land der künftigen Diabeteskrise lebe 😛

Die Kleinen beiden und ich haben heute einen Sacherkuchen gebacken. Ja, richtig gehört! Ich weiß nicht ob es an der Familie oder am Land liegt, aber es hat keine runde Backform gegeben, weshalb ich die Sachertorte in einer rechteckigen Auflaufform gebacken hab. Und Mehlspeisen in rechteckiger Form sind nun mal Kuchen. Es ist ein Wunder, dass sie so wunderbar geworden ist, denn es haben sich mir am Weg zur idealen Sachertorte einige Dinge in den Weg gestellt.

Es gibt in diesem Land keinen Staubzucker, aber es gibt dieses wundervolle Gerät, dass alle Italiener haben und lieben: den Bimby von Vorwerk. Diese Küchenmaschine kann mixen, haxeln, erhitzen, alles! Auf Anreiz der Gastmutter hab ich versucht den Kristallzucker damit in Staubzucker zu verwandeln. Das einzige Problem war, dass ich den Dichtungsring erst nachher gefunden hab. Somit ist der ganze Zucker auf der Seite nur so rausgestaubt wie eine Rauchwolke. Die Kinder haben sich gleich daran gemacht den Zucker von der Arbeitsfläche zu schlecken. Nachdem ich mir gedacht hab „Egal, wir machen das halt mit Kristallzucker“, hab ich die 8 Eiweiß, die man zu Schnee schlagen soll (mit Dichtungsring) in den Bimby geleert und auf „Mixen“ gedrückt. Nachdem die Eiweiß nach 5 Minuten auf hoher Stufe noch immer flüssig waren, hab ich mir das mal genauer angeschaut. Hab ich erwähnt, dass dieses tolle Gerät sogar erhitzen kann? Ich hab den Mixer auf so schnell gedreht, dass die Maschine sich auf gute 40 Grad erwärmt hat und die Eiweiße hab ich wegleeren müssen. Nachdem ich mit steigender Motivation – nämlich die „Ich will endlich fertig werden“-Motivation – endlich den Handmixer gefunden hab, hat sich aber alles relativ erfolgreich zugetragen.

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Der Giulio war so begeistert, dass er in eine Art Wachkoma beim Kauen gefallen ist.
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Der Sacherkuchen

Nachdem ich um 4.30 offiziell fertig war mit „Arbeiten“ (ja, ich hab sogar eine Mittagspause) hab ich mich entschlossen in das Dorfzentrum von Povo zu marschieren. Das sind gute 15 Minuten den Berg runter, was in Flip Flops ein komisches Unternehmen ist. Auf dem Weg allerdings hab sich mir 2 wunderbare Feigenbäume präsentiert, deren Äste weit auf die Straße gereicht sind. Feigen in Italien sind eine ganz andere Welt, noch dazu frisch gepflückt! Ich bekenne mich als Dieb schuldig, aber nur, weil ich sicher gegangen bin, dass mich niemand gesehen hat.

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Im Supermarkt hab ich etwas Wundervolles gekauft: Roggenbrot 😮
Zwar ist es dieses vorgeschnittene, abgepackte, was in Österreich keiner zweimal anschaut, aber es hat mich inmitten der ganzen süßen Weißmehlprodukte angelächelt, wie ein Prinz auf einem schokoladefarbenem Ross eine Blondine nur anlächeln kann!
Was für ein Festmahl mein Frühstück morgen wird!

Damit entlasse ich euch aus dem Bann meines Blogs für heute und wünsche einen märchenhaften Abend,
Sophie

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