Meine liebsten Leute,
der Titel verrät es schon: Heute hab ich offiziell meine Halbzeit in Italien erreicht. Was ich davon halte, weiß ich noch nicht. Einerseits freu ich mich schon total auf zuhause, auf meine Familie und meine Freunde, auf die Universität. Ja, auf die Uni! Ich komm mit Sommerferien wohl nicht ganz zurecht.

Ich würde aber die Busse vermissen, die zuverlässig 3 Minuten zu spät kommen, die Berge, die immer im Blick sind, egal wohin man schaut, das Feigen-am-Weg-zum-Bus-Klauen, meinen Standardsatz „non so come si dice“ (dice sprich: diedsche. „Ich weiß nicht wie man das sagt“), die schwungvollen Busfahrten den Berg hinunter in die Stadt, die aggressiven Aufzugtüren, die einfach auf nichts und niemanden warten,…

Ach Spaß beiseite! Oder eher Spaß in den Vordergrund!! Ich hab eine mega lustige Zeit hier. Meine Lieblingszeit des Tages ist am Abend, wenn wir gemeinsam abendessen, wenn alle entspannt sind, wenn die Hausübungen schon für den Tag erledigt sind. Heute haben wir zum Beispiel nach dem Abendessen noch ein paar Runden Präsident gespielt, das die Bea und der Gabri besonders lieben. Demnächst bring ich ihnen Gämsch und Schnapsen bei. Ich hab heute am späten Nachmittag in der Stadt eine Rolle Wolle gekauft und hab den Kindern Fadenabnehmen beigebracht. Die Monica hat es aus ihrer Kindheit gekannt, aber ewig nicht mehr gemacht. Es war also eine willkommene Erinnerung. Dann hab ich allen noch schnell Fingerstricken gezeigt, aber nicht wie’s geht. Die ganze Familie war stark begeistert. Ich verwende hier das Wort stark, weil das ihr Ausruf war: „Che forte!“

Der Vormittag war ehrlich gesagt fast langweilig, weil nur die Bea, der kleine Giulio und der Alessandro (Vater) da waren. Die beiden Kleinen haben einen Altersunterschied von 4 Jahren, das heißt zu viel Abstand, dass sie auf demselben Level sind und zu wenig, als dass die Bea auf seine Bedürfnisse eingehen kann. Der Gabri, zum Beispiel, ist alt genug, um mit dem Giuli ein Spiel zu spielen, wo er auf seinen kleinen Bruder Acht gibt und ihn entertaint. Die Bea braucht noch selber ein gewisses Maß Entertainment. Auch dadurch, dass der Ale da war, wollt ich ihm ein bisserl Zeit mit seinen Kindern lassen, weil er sonst immer arbeiten muss. So war ein Kind mit mir im Kinderzimmer und das andere mit ihm im Wohnzimmer.

Kurz bevor der Ale dann mit dem Giuli in den Kiga gegangen ist, haben die Bea und ich begonnen eine Pizza zu machen. Nachdem sie die letzten 4 Tage, auf die Frage hin, was sie denn zum Mittagessen (pranzo) haben möchte, 🍕 Pizza 🍕 geantwortet hat.
Der Herstellungsvorgang geht eigentlich ganz schnell und das trotz 6 jähriger Hilfe, die die Hefe über den ganzen Küchenboden zerstreut hat.
Ich hab nur den Fehler begangen Paprika auf die Pizza Margherita zu tun. Weder die Bea noch der Giulio, nachdem er vom Kiga wieder heimgekommen ist, wollten das Gemüse essen.
Dafür haben sie dann eine großzügige Portion capuzzi (rohes Kraut) bekommen. Bisserl Olivenöl aus Pulien, bisserl Salz und schon tutto a posto (alles bereit)!

Während ich in meiner „Mittagspause“ bisserl gelesen hab, ist irgendwann der kleine Giulio in mein Zimmer gekommen und hat ganz süß seine Lieblingsfrage gestellt: Come ti chiami? (sprich: kiami – Wie heißt du?)
Worauf ich – wie immer – geantwortet hab: Non lo so! Come mi chiamo? (Ich weiß nicht! Wie heiß ich?)
Worauf der kleine Fratz gegrinst hat: Ophia!
Daraufhin hab ich einfach ein paar Selfies mit ihm machen müssen!

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Tja und am späten Nachmittag hat mich dann die Unternehmerlust gepackt und ich hab mich in die Stadt begeben, um Wolle zu kaufen. Ich bin ein bisschen übermütig geworden und hab auch so unnötiges Zeug wie Nagellack und Ohrringe gekauft.

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In der Stadt war dieser nette Herr, der den Donauwalzer gespielt hat, als ich an ihm vorbeigegangen bin.

Und ich hab vor etwas zu lernen, was ich aber erst in einem Monat offenbaren kann! Wir nennen es mal <em>Hobby X. Ich hoffe es wird was und ich scheitere nicht kläglich dran.

Ich bin total glücklich und ich hoffe euch geht es so wie mir!
Sophie

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