Meine liebsten Leute,
gestern habt ihr über mein kleines spontanes Abenteuer gelesen, heute lest ihr über die Müdigkeit, die einen übermannt (oder muss man heutzutage überfraut sagen?), nachdem man einen ganzen Tag in der Sonne gehatscht ist, ohne dementsprechend viel zu trinken.

Der Bus in die Stadt fährt sonntags nur einmal in der Früh. Also hab ich die Wahl 45 Minuten vor Kirchenbeginn oder 15 Minuten danach zu kommen. Nachdem ich um 6 von einem Alptraum aufgewacht bin, indem ich meiner ersten Gastfamilie hier begegnet bin und sie gefragt hab, ob sie mir Läuse verpasst haben, worauf sie grinsend Ja geantwortet haben und sich dann in lachende Monster mit Hörnern und Flügeln verwandelt haben, hab ich mich heute zum ersten Mal für den späteren Bus entschieden.
Ich bin gerade noch zum Anfang des Abendmahls gekommen, aber der ganze Stress ist das später Aufstehen nicht jeden Sonntag wert.

Eine Ansprache in der Kirche war über die Perspektive der Ewigkeit. Wir in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage glauben an ein Leben nach dem Tod und uns ist deshalb die Familie besonders wichtig, weil wir mit ihr dort in Ewigkeit sein werden. Die Schwester zeichnet gerne und hat diese unsere Perspektive mit 3D Zeichnen verglichen. Es gibt bei dem, was wir tun, nicht nur uns und die Leute um uns, unsere Nächsten, sondern auch den Vater im Himmel. Er ist quasi die dritte Dimension, die dem Ganzen erst richtig Griff und Sinn gibt.

Außerdem ist unser Leben auch wie ein Puzzle. Wir sehen oft nur ein einzelnes Teil, aber wir müssen uns auch die anderen Teile anschaun, um es an den richtigen Platz setzen zu können. Ein Teil allein macht nur selten Sinn. Ich weiß, dass meine 2 ersten Wochen bei der anderen Familie so ein Puzzleteil waren, das in der Situation keinen Sinn ergeben hat. Aber wäre ich diese Tage nicht bei der anderen Familie gewesen, hätte ich diese nicht gefunden. Und ich bin so glücklich und dankbar für diese Familie! Mein Puzzle ist so viel schöner mit dem Kontrast, den ich erleben musste.

Den Nachmittag war ich größtenteils allein zuhause, weil die Familie sich ein Castello (Schloss) angeschaut hat und ich ein bisschen Tee, Buch und Entspannung gebraucht hab.
Als sie zurückgekommen sind, haben wir geplaudert und ich hab mit dem Giulio gespielt und ihm vorgelesen. Ich bin in der Lage ein echtes Gespräch auf Italienisch zu führen! So ein 3/4-intellektuelles Gespräch! Ich bin total stolz auf meinen Fortschritt!

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Die Familie ist so italienisch, sie haben sogar ein Parmesanreibgerät! Und es findet tatsächlich alle 2 Tage Verwendung! 😮

Das war dann schon wieder alles, was ich für heute mitteilen kann und möchte,
guten Morgen (weil ich weiß, dass viele meine Posts in der Früh lesen)
Sophie

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