Ach, ihr lieben Leute,
ich bin so unentschlossen!
Ich freu mich unglaublich auf daheim und es gibt Zeiten, an denen ich gelangweilt bin und mir denk:

Wann bin ich endlich wieder daheim bei meinem normalen Leben? Mit Familie. Mit Freunden. Mit Studium. Mit Sport.

Und dann denk ich mir wiederum:

Es ist so cool hier. Ich sprech sicher nie wieder so gut Italienisch. (Blödsinn, wenn du wirklich Übersetzer werden willst, Sophie, wird es immer besser werden… müssen) Ich hab die Familie so gern. Was, wenn ich die alle nie wieder seh? Ich hab auf keinem Piratenschiff gearbeitet, keine Prinzen aus ihren Türmen befreit. Wo ist das große Abenteuer geblieben?

Die Wahrheit ist, dass man auch wenn man mitten im Abenteuer lebt, jeden Tag für sich leben muss. Und auch, wenn ich heute Abend mega viel Spaß gehabt hab, und das für mich die Au Pair Experience war, hab ich mich nur 3 Stunden davor allein zu Tode gelangweilt. Nur 2 Stunden davor hab ich im Garten mit den Kindern gespielt und mich gefragt, wann der Tag denn endlich vorbei wäre.
Also so gesehn, muss man jede Stunde, jede Minute für sich leben und das ist oft nicht allzu einfach. Vor allem, wenn man kein W-Lan hat für einen Youtube Marathon. Das ist nämlich eine der wenigen Zeiten, wo die Zeit mega schnell und sinnlos vergeht!

Okay, kleine Tageszusammenfassung:
Sachertorte gefrühstückt.
Beatrices Haare gemacht.

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Giulio aufgeweckt. Mit ihm ein Buch gelesen, damit er nicht weint. Im Gegensatz zu gestern ist sich heute sogar eine Dusche für ihn ausgegangen! Als ich nebenbei gesungen hab, hat er gesagt: Non si canta in questa casa! Se si canta vengono i vigili! [vidschili]
(In diesem Haus wird nicht gesungen. Wenn man singt, kommt die Polizei! 👮)
Das hab ich natürlich sofort der Monica schreiben müssen, worauf sie „😂“ geantwortet hat und mich am Abend die ganze Geschichte erzählen hat lassen. Des Verbrechens des Singens bin ich eindeutig sehr schuldig!

Beim Training (auch genannt Kinderwagerl-den-Berg-wieder-raufschieben) bin ich heute kaum außer Atem gekommen! Bald bin ich bereit für einen Schieben-Halbmarathon!

Aufgeräumt, gesaugt, Waschbecken geputzt (die Monica hat es übrigens am Abend dankend angesprochen -> I feel good!), geduscht, sogar geschminkt (!) und ab mit mir in die Stadt!
Als Truppe Kirchenmädels (2 Amerikanerinnen, eine davon eine frische Au Pair mit Jetlag und eine Italienerin aus dem Süden und ich) haben wir das Castello del Buonconsiglio (Schloss des guten Rats), was das Schloss in Trento ist, besucht. Drinnen war eine Ausstellung über Ägypten und wir haben eine mumifizierte Katze und Menschenfinger und -füße gesehen. Wir sind auch in den Turm raufgegangen und ich hab mir eine italienischen Audiotour gegeben. -und alles verstanden!!

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Um den Hunger zu besänftigen haben wir uns Pugliesisches Fastfood von einer Bäckerei geholt: Panzerotto (Das Wort stammt von pan wie pane – Brot, nicht von Panzer ;)). Das ist eine Art weiches Langos, zusammengefalten (=Calzone) und gefüllt mit Mozzarella und Paradeisern. Sehr gut!!

Danach sind wir zur Kelli (der Amerikanerin ohne Jetlag) gegangen und haben Carcassone gespielt. Bei der Italienerin hab ich mich übrigens am Sonntag für’s Mittagessen selbst eingeladen. Yes, Aufdringlichkeit!!

Für mein Abendprogramm mit den Kindern hab ich eine Weile draußen mit ihnen gespielt. Ein sehr cooles Spiel zum Sprachenlernen: La strega commanda -> die Hexe sagt, hab ich’s genannt, auch wenn es eigentlich heißt die Hexe befiehlt. Ich, die Hexe, sag: die Hexe sagt und dann sag ich eine Farbe und die Kinder müssen irgendwas in der Farbe berühren, bevor ich sie fange. Wenn ich ein Kind fange, ist es die nächste Hexe und muss was sagen. Ich hab es nach einiger Zeit so abgeändert, dass ich nicht nur Farben, sondern auch Dinge sag, wie etwa Fahrrad oder Baum.

Nach dem Abendessen haben wir dann Joghurt selber gemacht, weil ich das gestern der Monica gegenüber erwähnt hab, dass das ganz leicht ist. Man kocht ein Glas Milch auf, lässt sie dann auf Zimmertemperatur abkühlen. Dann tut man einen Löffel weißes Joghurt in ein Marmeladeglas, tut die lauwarme Milch dazu und macht’s zu. Dann legt man ein heißes Hot-Cold-Pack zu seinen Socken, kuschelt das Marmeladeglas dazu und wartet bis morgen früh. Ich hoff, es ist wird nicht schlatzig. Wenn schon, lernen die Kinder halt ein neues Wort auf Deutsch!

Gute Nacht,
Sophie

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