Tag 49: Die Leere füllen

Meine liebsten Leute,
heute um 5 ist die Familie zur EXPO Milan gefahren. Es ist eine Ausstellung, die fast das ganze Jahr geht und deren Thema „Essen aus aller Welt“ ist. Alle Italiener wollen dorthin fahren, alle italienischen Konzerne sponsoren es. Die deutsch Au Pair war vor 2 Wochen dort und hat mir erzählt, dass es echt nicht besonders ist, dafür dass man normal 40 Euro Eintritt zahlt und überall 2 Stunden anstehen muss.

Ich wäre ja auch fast hin gefahren, aber mit meinem Kranksein und allem, hab ich mich nicht sicher gefühlt für einen Tag von 5 bis Mitternacht.

Um 5 bin ich also trotzdem aufgewacht und um 6 konnte ich nimmer schlafen. Also hab ich mir eine Gemüsepfanne zum Frühstück gemacht und hab mich dann in die Kirche geschwungen.
Ich liebe es, dass ich jeden Sonntag in der Kirche hören darf, dass ich mich verbessern kann, soll, muss! Wegen dem Streit mit meiner Gastmutter war ich in einer echt miesen Laune bezüglich der kommenden 2 Wochen. Aber Klassen über Stolz, den man ablegen soll und das Vorbild, das man sein soll und kann, haben meine Perspektive wieder verändert. Ich war nur grantig, weil ich in meinem Stolz verletzt war. Weil jemand mit mir nicht zufrieden war und mir das sehr direkt gesagt hat. Egal, was mir an den Kopf geworfen wird, sollt ich einfach nicht zulassen, dass das meine Einstellung der Erfahrung gegenüber verändert. Ich werde mit genau so viel Geduld und Freude weitermachen, wie vorher. Oder es zumindest versuchen!

Nach der Kirche bin ich in die leere Wohnung gefahren, wo ich mit knurrendem Magen Wäsche abgehangen und aufgehangen hab und mir dann ein Essen gekocht hab: Erdäpfelpüree mit Spiegelei und Zucchini. Ich hätte Spinat als grünes Gemüse vorgezogen, aber österreichisch kochen ist hier echt fast unmöglich!

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Gesättigt bin ich meine Finanzen durchgegangen und habe schockiert bemerkt, dass ich hier schon 170 Euro ausgegeben hab!! 😮 also wenn das Italiens Wirtschaft nicht ankurbelt, weiß ich auch nicht!!
Zu meiner Verteidigung, die Hälfte besteht aus Internet, Busfahrten, einem elektrischen Zahnbürstenkopf, weil meine ersten Gastkinder sich damit die Zähne geputzt haben und meinem Spontantrip nach Verona, aber es ist doch echt massig viel!
Oh und Eis! Ich hab hier locker 15 € für Gelato hinterlassen!

Dann wollt ich mit dem Hund spazieren gehen, hab aber den Hund vergessen und bin stattdessen mit meinem Handy zur Piazza gegangen wegen dem Internet, aber das hat nicht funktioniert, also bin ich den langen Weg wieder rauf gegangen.
Danach hab ich einen Sonnengruß Yoga gemacht und dann noch die halbe sogenannte Generalkonferenz von diesem Frühling angehört. Bei der Generalkonferenz spricht der Präsident der Kirche und Prophet 2x im Jahr zu den Mitgliedern und nachdem die 2. Konferenz dieses Jahr am Sonntag nach meiner Rückkehr ist, wollt ich mich erinnern können, was bei der ersten gesagt worden ist.

Ja und dann war es erst etwa 16 Uhr und ich wusst nimmer was ich mit mir anfangen soll. Ich hasse es allein zu sein. Ich bin das dritte Kind von viern, es ist nicht natürlich für mich allein zu sein!
Also hab ich noch eine Stunde mit meiner Schwester telefoniert, bis ihr kleines Kind wieder nach ihr verlangt hat, wonach ich ferngesehen und mein Hobby X verfolgt hab und Zähne geputzt und ins Bett gegangen bin.
Und es ist erst 10! Und ich hab mich so bemüht den leeren Nachmittag zu füllen!

Ach, ich freu mich schon wieder auf unsere Sonntagabende zuhause, wo alle meine lieben Geschwister, teilweise plus tolle neue, angeheiratete Geschwister da sind und alle durcheinander reden und niemand mich ausreden lässt. Naja, vielleicht kann ich auf Letzteres verzichten. Wer weiß, vielleicht bin ich ja sogar italienisch genug, um drüber zu schrein?

Stille Nacht, wünsche ich!
Sophie

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Tag 48: Eine Führung durch Wien

Meine liebsten Leute,
mit dem Vorhaben das Beste für alle aus den letzten 2 Wochen (ja, heute noch exakt 2 Wochen) zu machen, hab ich den Kindern (und dem Gabri, dem Geburtstagskind) Frühstück gemacht: Eierspeis! Die Kinder waren kleine Nimmersatts und ich hab noch eine Ladung nachmachen müssen, was ich aber gern gemacht hab, weil es in meinem Gesundheitsrahmen gelegen ist. Den Geschirrspüler hab ich ausgeräumt, das Frühstücksgeschirr eingeräumt, die Küche gesaugt und den Geschirrspüler eingeschalten.

Dann hab ich dem Gabri mein Geburtstagsgeschenk nicht nur präsentiert, sondern auch erklärt, denn es war ein Wimmelbuch von Wien. Das Gleiche, was ich auch meiner ersten Gastfamilie geschenkt hab, war es doch ein sehr tolles Buch! Ohne Erklärung einer geborenen Wienerin wäre dieses Buch jedoch sehr schwierig zu verstehen, sind doch einige Insider, wie etwa das Aida Café am Stephansplatz, das nur als Café ohne Namen gezeichnet ist, versteckt. (Wien Wimmelbuch von Natasha Chalmers, sehr zu empfehlen! Etwa 10€ beim Thalia oder auf Amazon)

Langsam hat sich die Welt wieder angefangen zu drehen, aber ich wollte der Familie zeigen, dass ich ihnen eine Hilfe bin. Ach was bin ich doch für ein stures Kerlchen, das doch gestern nach dem Streit noch unbedingt nach Hause fahren wollte. Ich ändere meine Meinung wohl alle 2 Stunden, aber nicht ohne vorher ein Riesendrama drum zu machen! Italien ist wirklich hart zu mir 😄

Naja und dann hab ich der Bea die Haare geföhnt, geflochten, dem Giulio 4 bis etwa 20 Bücher vorgelesen, mit ihm gespielt, mit der Bea aufgeräumt und dann ist die Familie zu einer Würstlfeier gegangen. Eine befreundete Familie besitzt irgendwie einen Würstelstand, so viel ich mitbekommen hab, und feiert mit allen Freunden. Da das für einen kranken Vegetarier nix ist, hab ich jetzt einen Nachmittag für mich, mein Bett und meinen Blog.

Since my blog is just not enough person for an afternoon and I have really missed seeing real live people and persons since .. Well.. I had that fever of lovely 39 and poor me was convinced I’d die, I wrote Erin if she had voglia (if she wanted to/Lust) to take a little walk with me. Only seconds later came the wonderful response: In 20 minutes? Gelato?
Sorry for exposing our messages Erin, but I just really loved that!
So we had just picked up the Italian National Dessert and made our way through what is the little town of Povo, when I hear someone shouting my name and see a familiar German Au Pair and a stroller with a little babe. Well that would be Kathi with little Andrea, who is ridiculously hard to reach for going out purposes! Kathi, not the baby.
So that made 3 of us and on went the happy Au Pair Walk! I was so happy to talk to friends, thank you so much girls!! And sorry for all the complaining I did, promise next time will be better 😜
Oh and we saw Kiwis! The fruit! Growing like a vine!!
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Well that would be it from me then!
Das war es also wieder schon von mir!
Sophie

Tag 47: Hygienische Souvenirs

Meine liebsten Leute,
gestern war echt nicht mein Tag. Mir ging es in der Früh zwar schon deutlich besser, aber meine Plaques im Hals waren noch immer da (die Schmerzen ebenso) und meine Antibiotica waren schon leer.
Nachdem ich gedacht hab, der Arzt wäre freitags zur selben Zeit da wie bereits am Mittwoch, hab ich um 14.30 angerufen, ob ich kommen könnte. Da war aber niemand da und mir wurde von der automatischen Stimme gesagt, ich solle um 17 Uhr wieder anrufen. Gehört, getan. Um 17 Uhr hab ich angerufen und die Assistenz hat gesagt, ich solle ins Krankenhaus fahren, um mir dort was verschreiben zu lassen. Ich hab mich bei den Buszeiten verschaut und hab somit eine Viertelstunde bei Wind, aber wenigstens Sonne auf den Bus gewartet. Inzwischen hat sich wieder alles gedreht und mir war schlecht. Endlich war der Bus da, aber, wie zu erwarten mit 5 Minuten Verspätung, weshalb ich meinen Anschlussbus verpasst hab, irgendwo dann ausgestiegen bin, 15 Minuten auf einen andern Bus gewartet hab und dann noch 10 Minuten gehen musste. Also etwa eine Stunde und ein bissi später war ich dann im Spital.

Nachdem ich Fieber gehabt hab, hat man mir so eine geniale Atemschutzmaske gegeben, die ich mir als Souvenir daheim in Wien auf meinen Kasten kleben werde! Ich hab außerdem noch ein Armband mit meinem Namen bekommen, das vielleicht viel angebrachter und hygienischer auf meinem Kasten wäre. Jetzt, wo ich drüber nachdenk, lass ich die verseuchte Maske wohl doch lieber im Mistkübel…

Naja und dann hab ich mir meine Drogen geholt, 4 Minuten bevor die Apotheke geschlossen hat! Ich hab da noch immer die komische Maske aufgehabt, vielleicht war der Apotheker deshalb so freundlich?

Zum Mittag hab ich mich mit meiner Gastmutter gestritten, weil sie gesagt hat, wenn ich weiterhin so faul bin, kann ich am Liebsten gleich heimfahren. Ob sie mir die letzte Woche zahlt, weiß ich bis heute noch nicht. Also werde ich ab jetzt am Vormittag auch immer die Wohnung putzen. Juhu 😀

Ich hab vor aus meinem restlichen Aufenthalt hier wirklich das Abenteuer zu machen, das ich mir gewünscht habe und mich nicht mehr von kleinen Schicksalsschlägen, wie etwa Fieber, unterkriegen zu lassen. In meinem Buch über gute Hexen und dunkle Magier, das ich gerade lese, heißt es immer wieder, dass eine gute Hexe ihre eigene Geschichte schreiben muss, weil sie sonst nur Teil einer anderen Geschichte ist, ein kleiner Nebensatz, dem kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird, und ein Happy End schon gar nicht.
Also muss ich mich wohl mehr anstrengen, eine gute Hexe zu sein!
Damit beende ich den heutigen Tag und mach mich bereit fürs Abenteue!
Sophie

Tag 45 & 46: Doch noch am Leben!

Hallo meine liebsten Leute,
ich mach was, was ich noch nie bisher gemacht habe auf diesem Blog: es gibt 2 Tage zum Preis von einem!

Am Mittwoch hab ich 39 Grad Fieber gehabt, Schüttelfrost, Mandelentzündung, war beim Arzt, hab Antibiotika bekommen und war mir sicher, dass die Krankheit nie vorbei sein wird.

Kleiner Sprung zu heute und 13 Stunden Schlaf später. Wie auch gestern, hab ich meine Früharbeitsschicht nicht gemacht und bin erst um 9 durch meinen Wecker aufgewacht, da um 9.30 der Zweigpräsident (auf katholisch: eine Art ehrenamtlicher Pfarrer für eine kleine Gemeinde; für eine große Gemeinde heißt das Amt Bischof) gekommen ist, um mir einen Krankensegen zu geben. Er ist Amerikaner und hat grad Besuch von einem Paar aus Amerika, der männliche Teil des Paares ist auch gleich mitgekommen, um beim Segen zu unterstützen und hat mir nachher auch seinen Namen und seine Heimatgemeinde aufgeschrieben, sollte ich je wieder etwas brauchen.

Es ist mir am Vormittag – vergleichsweise zu gestern – so gut gegangen, dass der Zusammenbruch am Nachmittag mich total unter die Räder geworfen hat. Ich möchte der Familie nicht anstrengend sein und auch, wenn sie wirklich ihr Bestes tun, damit ich bald wieder gesund bin, ist eine kranke Person anstrengend. Nachdem ich nur noch 2 Wochen hier bin, macht es für mich keinen Sinn davon eine krank zu verbringen und der Familie anstrengend zu sein. Falls es mir also nicht bald besser geht, bin ich bald wieder daheim. Das wäre natürlich nicht der ideale Ausgang, aber ich hab hier so viel Spaß gehabt, dass ich aus dieser Erfahrung nicht traurig herausgehen würde. Trotzdem will ich noch hier bleiben, denn ich habe bereits geplant mir bei dem riesen großen Schuhgeschäft namens Pittarello hübsche Stiefel für den Herbst zu kaufen! Das kann ich mir nicht einfach von ein bisschen eitriger Angina nehmen lassen!

Und mit diesem Lichtblick hoffe ich ein bisschen schlafen zu können, obwohl ich die Fensterläden (ja, Fensterläden, bin ja schließlich in Italien) seit Mittag geschlossen hab und es in meinem Zimmer gar kein Licht gibt!
Mein Körper hingegen kann nimmer liegen. Oder ist es mein Geist, der nimmer liegen mag? Irgendwas ist auf jeden Fall unentspannt in mir!

Auf ein gesundes Morgen!
Sophie

Tag 44: Von Mandeln und Hoffnungen

Hallo liebe Leute,
ein beklagender Schrei eines meines 2 Jährigen um 6.30 hat mich aufgeweckt. Ich sehe es aber als Zeichen, dass ich schon lang genug hier bin, dass ich danach sofort wieder eingeschlafen bin und erst um 6.50 mit meinem gewohnten Weckton aufgewacht bin.

Meine Laune heute ist, wie gestern auch, leicht gedrückt. Ob es das Wetter ist, das mal die Sonne scheinen lässt, mal mit schweren Wolken auf mein Gemüt drückt oder ob es gar an den 18 Tagen liegt, die mir noch auf zuhause fehlen, kann ich nicht sagen. Womöglich beides. Naja, man muss auch solche Tage haben.

Gegen Nachmittag sind auch noch meine Mandeln zu ungeheuren Größen und glücklicherweise nur leichten Schmerzen angeschwollen. Nach einem Schäfchen bin ich zum Abendessen aufgewacht und hab mir danach die Reportage zur Flüchtlingssituation in Ö reingezogen.

Die Bilder vom Westbahnhof, an dem ich in knapp 2 Wochen ankommen werde, jedoch dann mit ganz anderen Gedanken und Hoffnungen für die Zukunft, haben mich echt bewegt und ergriffen.
Ich werde hoffen, dass ich mein Italienisch behalten kann, die Flüchtlinge hoffen auf ein Leben.
Haltet also morgen alle Ausschau auf Facebook! Ich plan was Großes!

Gute Nacht,
Sophie

Tag 43: Bereit für Olympia!

Meine liebsten Leute,
einer meiner Lieblingssätze als ich klein war, war „Lass sie!!“
Wann immer meine älteren Geschwister mich genervt haben, hab ich das begeistert geschrien, weil ich den Satz so von meinen Eltern in solchen Situationen gehört gehabt habe. Ich hab nur nicht ganz verstanden, dass ich die „sie“ war.

Der 2 jährige Giulio hingegen weiß ganz genau wer er ist und als ich ihn heute Früh aufgeweckt hat, hat er mir das italienische Äquivalent von „Lass mich in Ruhe“ entgegengebrüllt: Lascia mi stare!! [Sprich: lascha mi stare!]
Um seine Launen zu heben, hab ich meine Lieblingskirchenlieder gesungen, was ihm auch sehr gut gefallen hab. Bis ich ihn versucht hab zu irgendetwas zu bewegen. Frühstück? Dusche? Lascia mi stareeeeee!!!
Irgendwann hab ich ihn dann vom Bett zur Couch gebracht, wo er gelungene 10 Minuten gebrüllt hat. Es gibt kein schöneres Geräusch als das, um richtig wach zu werden. Erst dann ist mir meine immer erfolgreiche Babysittertaktik eingefallen, um ein Kind zu etwas zu bewegen und schon wurde das passive Ablenkungsmanöver Nummer 3326 eingeleitet. Ich hab mich mit einem Buch neben ihn hingesetzt, laut bekundet, dass ich mir jetzt ein Buch vorlese und schon war eine neugierige Nase über ebenjenes geneigt und jeglicher Herzschmerz war vergessen. Sobald das Buch zu Ende war, hab ich gefragt: Ancora? (Nochmal?)
Und er hat gesagt: Sì!
Und ich hab gefragt: E dopo facciamo colazione? [E doppo fatschamo kolazione] (Und danach frühstücken wir?)
Und er hat gesagt: Sì!
Und damit war das morgige Drama wortwörtlich gegessen.

Der Kindergarten ist 8 Minuten den Berg runter und am Weg heim übe ich für die fast-olympischen Spiele des Schiebens, wie wir erfahrenen Sportler es nennen. Der lange Name für diese junge Sportart ist Kinderwagerl-den-Berg-wieder-rauf-schieben. Hier ein Foto aus meinem streng geheimen Training:
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Die Kinder waren heute alle bis 3 bzw. 4 in dem KiGa bzw. in der Schule, also sind die Monica, der Oliver 🐕, eine Freundin von ihr und ich zwei Stunden spazieren wandern gegangen und am Abend hab ich’s schon in meinen Beinen gespürt.
Hier ein Foto meiner zweiten sportlichen Aktivität des Tages:

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Danach wollt ich kurz in die Piazza, um mein Internet aufzuladen, stattdessen hab ich eine gratis open air Dusche bekommen, denn es hat wie aus Badewannen geschüttet!
Die Monica war währenddessen mit den Kindern in Sicherheit in der Bibliothek, wo ich dann auch hin bin und Einiges mit den Kindern gelesen hab. Von dort aus, haben wir dann einen mega schönen Regenbogen gesehn!! Ob das die nassen Socken wert war? Naja, sagen wir mal ja!

Das war es dann mal wieder von mir. Ich wünsche buona sera a tutti!! (schönen Abend an alle)
Sophie

Tag 42: Sophie und die Erschöpfung

Meine liebsten Leute,
gestern habt ihr über mein kleines spontanes Abenteuer gelesen, heute lest ihr über die Müdigkeit, die einen übermannt (oder muss man heutzutage überfraut sagen?), nachdem man einen ganzen Tag in der Sonne gehatscht ist, ohne dementsprechend viel zu trinken.

Der Bus in die Stadt fährt sonntags nur einmal in der Früh. Also hab ich die Wahl 45 Minuten vor Kirchenbeginn oder 15 Minuten danach zu kommen. Nachdem ich um 6 von einem Alptraum aufgewacht bin, indem ich meiner ersten Gastfamilie hier begegnet bin und sie gefragt hab, ob sie mir Läuse verpasst haben, worauf sie grinsend Ja geantwortet haben und sich dann in lachende Monster mit Hörnern und Flügeln verwandelt haben, hab ich mich heute zum ersten Mal für den späteren Bus entschieden.
Ich bin gerade noch zum Anfang des Abendmahls gekommen, aber der ganze Stress ist das später Aufstehen nicht jeden Sonntag wert.

Eine Ansprache in der Kirche war über die Perspektive der Ewigkeit. Wir in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage glauben an ein Leben nach dem Tod und uns ist deshalb die Familie besonders wichtig, weil wir mit ihr dort in Ewigkeit sein werden. Die Schwester zeichnet gerne und hat diese unsere Perspektive mit 3D Zeichnen verglichen. Es gibt bei dem, was wir tun, nicht nur uns und die Leute um uns, unsere Nächsten, sondern auch den Vater im Himmel. Er ist quasi die dritte Dimension, die dem Ganzen erst richtig Griff und Sinn gibt.

Außerdem ist unser Leben auch wie ein Puzzle. Wir sehen oft nur ein einzelnes Teil, aber wir müssen uns auch die anderen Teile anschaun, um es an den richtigen Platz setzen zu können. Ein Teil allein macht nur selten Sinn. Ich weiß, dass meine 2 ersten Wochen bei der anderen Familie so ein Puzzleteil waren, das in der Situation keinen Sinn ergeben hat. Aber wäre ich diese Tage nicht bei der anderen Familie gewesen, hätte ich diese nicht gefunden. Und ich bin so glücklich und dankbar für diese Familie! Mein Puzzle ist so viel schöner mit dem Kontrast, den ich erleben musste.

Den Nachmittag war ich größtenteils allein zuhause, weil die Familie sich ein Castello (Schloss) angeschaut hat und ich ein bisschen Tee, Buch und Entspannung gebraucht hab.
Als sie zurückgekommen sind, haben wir geplaudert und ich hab mit dem Giulio gespielt und ihm vorgelesen. Ich bin in der Lage ein echtes Gespräch auf Italienisch zu führen! So ein 3/4-intellektuelles Gespräch! Ich bin total stolz auf meinen Fortschritt!

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Die Familie ist so italienisch, sie haben sogar ein Parmesanreibgerät! Und es findet tatsächlich alle 2 Tage Verwendung! 😮

Das war dann schon wieder alles, was ich für heute mitteilen kann und möchte,
guten Morgen (weil ich weiß, dass viele meine Posts in der Früh lesen)
Sophie

Tag 41: Sophie und die Spontanität

Meine liebsten Leute,
gestern beim Spaziergang hat meine Gastmutter mir Verona so richtig schmackhaft gemacht. Die Stadt ist nur eine Zugstunde entfernt und kostet nur 7,70€ in eine Richtung!

Ja!, hat mein Abenteurerherz geschrien und ich bin heute um 8 Uhr aufgestanden. Alleine mit mir und mir selber bin ich in die Stadt von Romeo und Giulietta (Romeeo und Dschulietta, wie sie in Italien genannt werden) gereist.

Knappe 100 Kilometer weiter im Süden gelegen, ist die Stadt gleich viel italienischer als Trento! Eine Straße, die die italienische Version der Praterstraße in Wien ist, – Corsa Porta Nuova für alle Google Liveviewer – hat mich zur Arena (ein Amphitheater in der Mitte der Stadt) geführt.

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Von der Arena weg führt eine menschengefüllte Einkaufsstraße, in die ich mich sofort gestürzt habe. Natürlich nicht in die Geschäfte, die waren alle nur so no-name Dinger wie Emporio Armani, Gucci, und so weiter. Die Häuser über den Geschäften waren jedoch alle so typisch italienisch, dass es wie Schnee zu Weihnachten für meine Augen war. An Schnee war bei der herunterprallenden Sonne jedoch glücklicherweise nicht zu denken! In den teuren Disneyshop hab ich mich doch reingewagt. So etwa hab ich ja schließlich noch nie gesehn, aber mir ist nur angry Cinderella begegnet, also bin ich wieder raus in die Sonne gegangen.

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An einer tollen Piazza vorbei (alle Piazzen sind hier total toll!), abgebogen in eine weitere volle Straße und schon war ich am Hotspot Veronas:
La casa ed il balcone della Giulietta!
Das Haus und der Balkon der Julia!
Wie ein braver Tourist hab ich ein Foto mit mir und der rechten Brust der Julia gemacht. Davor hab ich schnell nachgegoogelt, warum man das überhaupt macht und habe herausgefunden, dass das Glück in der Liebe bringen soll. Kann ja nicht schaden!

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Hungrig nach sowohl schönen Sehenswürdigkeiten als auch Essen, hab ich mich weiter durch die Stadt geschlagen. Fündig nach beidem bin ich geworden, als ich meine Pizza mit Erdäpfeln drauf (das war so schräg, dass ich das gleich probieren hab müssen) vor der Kirche Sant’Anastasia gegessen hab.

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Die Pizza.
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Die Kirche.

Weiter ging es mit mir! Ich hab den Duomo (Dom) nur von außen gesehen, weil es eine Schlange beim Eingang gegeben hat. Zwar nur eine Menschenschlange, aber die kann mit einer vollen Blase genauso gefährlich sein! Aufgrund der steigend dringenden Situation hab ich mich in Bewegung behalten und schon bald ein tolles Meloneneis gefunden. Nichts lenkt einen so gut ab, wie ein tolles Meloneneis!

Auf der anderen Seite des Flusses Adige (Adidsche) – der Seite ohne Touristen – bin ich dann ein bisschen rumspaziert, bis ich eine römische Brücke gefunden hab und mich dann wieder auf die Touristenseite begeben hab.

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Ich hab ein bisserl in die Geschäfte geschaut, mir meine obligatorische Schneekugel gekauft, bis ich dann eine interessante Bücherei gefunden hab. Drinnen war nämlich auch eine Bäckerei, somit war es also eine Bückerei oder eine Bächerei! Im Obergeschoss hat es eine kleine Fotoausstellung von lustigen Straßensituationen gegeben.

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Ich hab so viele Fotos gemacht, ich glaub mein Handy platzt!

Und jetzt am Abend hab ich mich mit der Hanna getroffen, einer Au Pair aus Schottland, die erst 2 Tage hier ist und die klassische Au Pair Überforderung hat. Je mehr ich mit Au Pairs rede, desto mehr komm ich drauf, dass es für alle die ersten paar Wochen echt schwierig ist. Am Ende der 2 Monate werd ich Tipps für ein erfolgreiches Überleben als Au Pair posten!
Wir haben einen Stadtspaziergang gemacht und heute war ein Straßenkünstler Festival mit Musikern und Seiltänzern an jeder Ecke!! Sehr cool!

Eine solche Erfahrung zahlt sich unter den richtigen Bedingungen wirklich aus!!
Und das war auch alles von mir heute!
Sophie

Tag 40: Agenten im Nichts

Meine liebsten Leute,
je länger ich von meiner ersten Sprache entfernt bin und je mehr ich über die Sprache im Süden lerne, desto mehr wird mir bewusst, dass ich Übersetzung studiere. Und, dass Übersetzung total das fehlerhafte Konzept ist.
Zur Jause (merenda) hat die Monica heute Apfeltascherl gekauft. Um zu sagen, dass sie mir auch eine mitgebracht hat, sofern ich Lust drauf hätte, hat sie gesagt: „Ho preso anche una per te, sai?
Wörtlich wäre das: „Ich hab auch eine für dich genommen, weißt du?“
Das weißt du? ist einfach mega schwierig zum Übersetzen, sodass es nicht komisch klingt oder ein 10 Sätze Aufsatz wird. Weil ich hier keine Übersetzungsarbeit leiste, leiste ich es mir euch diesen 10 Sätze Aufsatz zu präsentieren. Ich hab das sai interpretiert als:
– Ich hab auch an dich gedacht beim Essen kaufen.
– Du bist gerne willkommen dir nach Lust und Laune Essen zu nehmen. Du bist hier kein Gast, sondern mi casa è su casa!
– Ich spreche mit dir, also beende ich meinen Satz mit einer Frage, um deine Meinung zu erfahren.
– Ich bin Italienerin, ich verwende das Wort sai nicht, um irgendetwas Bestimmtes auszudrücken, sondern weil man einfach spricht, wie einem das Kiefer gewachsen ist.
Zur Jause hat die Monica übrigens auch Masha e Orso (Masha und Bär) Nutella Eier für die Kinder und mich gebracht! Komplett mit 6 Tattoos!! 😀

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So viel zum kleinen berufsbezogenen Exkurs. Heute war wieder Schule und der Kleinste ist diesmal nicht aufgewacht, während die anderen noch da waren und Lärm gemacht haben. So hab ich dann die Aufgabe gehabt den kleinen Engel zu wecken. Weil ich nicht so gemein sein wollte einem 2 Jährigen die Decke wegzuklauen, hab ich ihn mit dem Versprechen, dass wir palla volo (Volleyball) spielen aus dem Bett gelockt. Die Vorraussicht auf Ball spielen hat ihn auch dazu gebracht sein Frühstück zu essen und zu duschen. Glücklicherweise hat er das Versprechen vergessen, weil wir haben nicht allzu viel Zeit gehabt, nach seiner ausgiebigen Dusche.

Meine 3-4 Stunden Freizeit am Vormittag hab ich damit verbracht mein Handy neu aufzusetzen, weil ich einen kleinen Virus gehabt hab. So ein Vorhaben dauert immer ewig!

Dann ist die Monica heimgekommen und wir sind die älteren beiden von der Schule abholen gekommen. Kleines Rätsel:
Zweiter Schultag bedeutet:
A) Es warten tausend Eltern vor der Schule auf ihre Kinder.
B) Die Kinder sind noch total wach, frisch und glücklich von den Ferien.
C) Die Sonne scheint.

Richtige Antwort: A.
Ad B) die Kinder waren mega müde, aber wenigstens waren sie nicht mehr so aufgekratzt wie die letzten Ferientage. Und C war zwar ein netter Nebeneffekt, aber nicht unbedingt eine Folge vom 2. Schultag. 😉

Die Kinder und ich wurden zuhause abgeliefert und während ich Mittagessen gekocht hab (Pasta mit Zucchini und als secondo piatto jede Menge Salat) hat die Monica den Giulio von der scuola materna abgeholt.

Gerade, als ich total einzuschlafen gedroht habe, hat die Monica die wunderbaren Worte gesprochen: „Vado a fare un giretto col Oliver e Gabriele. Vuoi venire anche tu?
(„Ich geh mit dem Oliver 🐕 und dem Gabriele 👦 spazieren. Magst du mitkommen?“
– Giretto spricht man Dschiretto aus)
Mit Sonnenbrille auf dem Kopf und pail (warne Vliesweste) um die Hüften gebunden haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Povo ist so wundervoll, dass man total in der Natur spazieren kann! Wir sind einen Berg raufgehatscht, wo es teilweise neben dem 20 cm breiten Erdweg einfach 20 m in die Tiefe gegangen ist.
Mitten am Berg, total im Nichts, haben wir dann eine leerstehende, verschlossene Kirche namens Sant’Agata gefunden, wo Agent 00_Gabri und ich uns für ein Foto postiert haben.

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Am Abend war ich mit der Anete, einer Au Pair aus Lettland, in der Stadt spazieren. Wir haben uns ein bisserl in einer Bar hingesetzt. Naja nicht in einer Bar, es sitzen alle draußen auf Couches und Sesseln, somit auch wir. Irgendwann sind wir von 2 Typen angequatscht worden. Nachdem die Unterhaltung keine 2 Cent wert war und wir uns miteinander unterhalten wollten, sind wir gegangen. Blöderweise ist mein Bus erst eine dreiviertel Stunde später gekommen, also haben wir einfach einen langen Spaziergang zur Station gemacht. Glücklicherweise sind die Nächte in der Stadt selber total warm im Vergleich zu denen am Berg oben in Povo!

Morgen hab ich einen ganzen Tag frei, also mal sehen, was ich da mach!
Alles Liebe,
Sophie

Tag 39: Crêpeweisheiten

Meine liebsten Leute,
heute war ein Tag, wo sich das Leben total auszahlt! Ein Tag, an dem die Vögel zwitschern und die Sonne scheint!

Ich bin heute um 10 Minuten vor 7 aufgestanden, hab mich umgezogen, meine Haare zu einem Zopf gebunden und ich war bereit für den Tag. Knappe 5 Minuten später hat der Ale (mein Gastvater) die älteren Beiden für ihren ersten Schultag geweckt. Total verschlafen und still sind sie am Frühstückstisch gesessen. Die Kinder haben sich angezogen, ich hab der Bea etwas Besonderes geflochen und schon sind sie raus aus der Tür.
Gute 2 Minuten vorher ist der Giulio aufgewacht, mein kleines Hasi. Auch er hat gefrühstückt (latte con i biscotti – Milch mit Keksen), dann hab ich ihn geduscht, angezogen und ihm eine Geschichte vorgelesen, bevor auch wir in die Schule gegangen sind. Für ihn heißt es scuola materna (Kindergarten). Ich hab ihn gefragt, ob er lieber an den Strand oder in den Kindergarten wolle. Seine Antwort war ganz klar scuola materna, was ich als sehr gutes Zeichen sehe.

Ich und der Kinderwagen sind dann alleine wieder den Berg raufgegangen und ich hab 4 Stunden Freizeit alleine in der Wohnung gehabt. Es hat nix zum Tun gegeben, also hab ich mit meinen Leuten daheim telefoniert und nebenbei geputzt. Ja, ich habe aus Langeweile geputzt.

Zum Mittag ist die Monica mit 3 Kindern heimgekommen. Das waren aber alles Burschen! Sie hat die kleine Bea gegen einen Tommaso ausgetauscht, einen Freund vom Gabri. Ich hab vorher schon ein Mittagessen bereit gehabt (Pasta – mea colpa, mea maxima colpa!) und die großen Burschen haben dann im Garten gemeinsam gespielt. Der Giuli und ich haben zuerst in seinem kleinen Spielhaus im Garten gespielt, dann mit einem Ball, dann mit den andern Burschen, dann mit einem Stecken, der seine „Angel“ war und dann mit einer Spritzpistole. Nach dem allen war es schon etwa 4. Offiziell hätte meine „Schicht“ um 3 geendet, aber ich hab so viel Spaß mit dem kleinen Fratz gehabt, dass ich ganz drauf vergessen hab.

Etwa eine halbe Stunde später ist dann die Monica mit den Kindern und dem Hund spazieren gegangen und ich war wieder allein. Mein Körper hat in fünf Sekunden von 100 auf 0 geschalten und ich hab mich konzentrieren müssen, dass ich nicht beim Lesen einschlafe.

Um halb 6 hat die Monica dann den Gabri zum Fußball spielen gefahren und ich hab mit der Bea im Garten gespielt, der Giuli hat noch von dem Spaziergang im Wagerl geschlafen. Bald darauf ist dann die Tante mit ihren 3 Kindern gekommen, die einen Stock über uns wohnen, also hab ich auch mit deren Kindern gespielt. Ich hab ein sehr amüsantes Workout genossen durch das ganze Kinder heben, Kinder schupfen, fangen spielen, etc.

Tja und zum Abendessen (cena) haben wir dann Crêpes gemacht. Die Monica hat angefangen und ich hab mit der Bea links von der Herdplatte und dem Giulio rechts auf der Theke sitzend weitergemacht. Es war total witzig inmitten der Familie zu sitzen und wir ham viel rumgeblödelt. Irgendwann ist auch der Alessandro wieder gekommen und ich bin wegen meinem Date gestern ordentlich auf die Schaufel genommen worden. Ich hab mein Abenddivertiment gestern im Blog ein bisserl totgeschwiegen, aber der Kommentar von der Monica trifft es perfekt: „Se non ti compra almeno una cena, cancella lo!“ („Wenn er dir nicht einmal ein Abendessen zahlt, vergiss‘ ihn!“)
Wir waren nämlich gestern bis um 10 weg und haben nichts gegessen.
Oh, ich liebe diese Familie!

Mit einem ziemlich roten Gesicht, aber einem großen Lächeln drauf, wünsche ich eine gute Nacht,
Sophie