Tag 38: Eins, zwei, Polizei

Meine liebsten Leute,
der letzte Ferientag ist vorbei. Ab morgen geht die Schule los!
Beim Hausaufgaben machen hat der Gabri heute ganz von sich aus gemeint, er freue sich schon auf die Schule, weil er da wieder alle seine Freunde regelmäßig sehe. Auch ich freu mich total, weil morgen eine neue Au Pair aus Schottland anreist, mit der ich schon voll viel geschrieben hab und mit der ich mich supi verstehe. Wir werden uns wahrscheinlich erst nächste Woche sehen, weil sie das Wochenende ganz  ihrer Gastfamilie gehört, damit sie sich einleben kann.

Die Hausübungen sind heute tränenfrei von Statten gegangen, auch wenn ich die Monica um Hilfe beten hab müssen, weil die Bea keine Aufgaben gemacht hat und nicht auf mich gehört hat. Aber der Mama gehorcht man. Das ist einfach ein Naturgesetz!

Für den sonnigen Nachmittag haben wir uns die Straßenmalkreiden geschnappt! Erst hab ich ein paar Sachen gezeichnet und auf Deutsch genannt und dann hat sie was gezeichnet und ich hab’s auf Deutsch gesagt und sie hat’s wiederholt. Sobald das Spiel sich ausgespielt hat, haben wir unsere Umrisse gemalt und ich hab ihr erklärt, dass die Polizei das so bei Leichen macht, um herauszufinden wie sie gestorben sind. Die Leichen können ja nicht den ganzen Tag rumliegen. Auf ihre Frage hin, was denn wäre, wenn die Polizei nicht herausfinden kann, wie die Person gestorben ist, hab ich optimistisch geantwortet dass die Polizei das immer rausfinden könne. Es ist ja schließlich die Polizei!

image

Und dann am späteren Nachmittag hab ich mich dann mit diesem Arzttypen vom Sonntag getroffen, der ein paar Bürokratiesachen in Dörfern rund um Trento erledigen hat müssen. So hab ich ein bisserl die Gegend rundum sehen können, während wir auf Italienisch und bisserl bisserl Deutsch gesprochen haben.

Und jetzt ist es schon wieder Zeit schlafen zu gehen. Morgen fangt der Tag schon um 7 an!
Sophie

Werbeanzeigen

Tag 37: Die Qual der Hausaufgaben

Meine liebsten Leute,
heute war für die Kinder endlich der Tag der Wolle! Vor fast einer Woche hab ich sie gekauft und ihnen gezeigt, dass man damit Fingerstricken kann. Lange habe ich sie hingehalten. Heute war es endlich soweit, dass ich es ihnen beigebracht habe. Groß war die Freude!

image

Nicht nur die Wolle haben sie heute bekommen, sondern auch ordentlich Auslauf! Wir haben es heute in den Park geschafft und ich hab sie ordentlich laufen und spielen lassen. Die letzten paar Tage waren sie schon sehr raunzig. Apropos raunzig, bevor wir in den Park gegangen sind und bevor ich ihnen Fingerstricken beigebracht habe, haben wir Hausübungen gemacht. Naja, die Bea etwa 10 Minuten, bevor sie sich weinend in eine Ecke verkrochen hat. Mit leuchtend roten Augen hat sie mich angeschaut, der Mund verzogen zu einem mitleiderregenden Bogen. Niemand weiß wie schwierig es ist, ein Kind auf einer anderen Sprache zu trösten und zu umarmen, während man versucht es nicht mit Läusen anzustecken, aber irgendwie hab ich es geschafft und nach einer guten dreiviertel Stunde hat sie die HÜ finalisiert. 💪

Im Park haben wir dann die ersten Kastanien gesammelt, die wir dann zuhause gleich für Mühle verwendet haben. So viel ich mich auch bemüht hab, hab ich trotzdem gegen den Gabri gewonnen, woraufhin er eine wichtige Regel auf’s Spielbrett geschrieben hat:

image
"Sophie gewinnt nicht." - die wohl wichtigste Regel, die es geben kann.

– Sofi non vince –

Die Kinder sind heute schon vor 8 aufgewacht, weshalb wir dann alle schon um 11 Hunger gehabt haben. Ich hab schnell einen Reis gemacht und Erbsen aus der Dose reingehaut. Jap, Erbsen aus der Dose. Je gehört? Ich auch nicht.
Als Vorspeise haben wir Ceci (sprich: Tschetschi – Kichererbsen) aus der Dose mit ein bisserl Olivenöl und sale (Salz) verdrückt.
Und als secondo piatto (zweite Hauptspeise) haben wir Ofengemüse gegessen. Also eigentlich nur Zucchini und Paprika. Das Sackerl Erdäpfel hat sich nämlich als Sackerl Zwiebel herausgestellt.

Naja und sobald der Giulio von seinem Mittagsschläfchen aufgewacht ist, sind wir zu einem weiteren Kindergeburtstag gefahren, wo es wieder mega viel Torte, aber auch so coole, kleine Blätterteigkreise mit bisserl Paradeissoß und Käse drauf gegeben hat! Die sind echt cooles Partyfood.

Und jetzt sind wir alle wieder in der Wohnung. Ein Abendessen, eine Dusche und ich bin im Bett.
Gute Nacht, liebe Grüße an alle!
Sophie

Tag 36: Kurz und Kulturig

Chi è? (Wer ist das?)“, hat das Nachbarsmädchen gefragt, als ich am Nachmittag das Haus verlassen hab. „La sorella della Beaaa!! (Die Schwester von der Bea!)“ hat die 5-jährige Cousine von meinen Gastkindern gerufen.
Hab ich sehr süß gefunden.

Heute ist leider nicht allzu viel Spanne des passiert. Ich hab am Vormittag mit den Kindern gespielt und zum Mittag hab ich das Essen gemacht, während die Monica mit der Bea beim Kieferorthopäden war, weil ihre Zahnspange sich gelöst hat. Am Nachmittag hab ich mir dann einen Lauskamm gekauft und meine Vorlesungen eingetragen. Transkulturelle Kommunikation ich komme!!

image
Mein heutiges Haarmeisterwerk!

Wenn also der Tag nicht so spannend zum erzählen war, dann lasst mich euch wenigstens ein bisschen Kultur geben:

Kulturfakt 1:
Il Tridente – der Dreizack – ist der Ursprung des Namens der Stadt Trento. Umgeben ist sie von 3 Bergen, die die Stadt daran hindern sich kreisförmig auszubreiten. Stattdessen ist sie oval. Diese 3 Berge sind die drei Zacken des Dreizack und wenn man das Wort Tridente über ein paar Jahrhunderte lasch ausspricht, wird wohl irgendwann Trento draus. Ich hab davor nämlich gedacht, dass das Wort vom italienischen Wort für 30 kommt: trenta.
So kann man sich irren.

Kulturfakt 2:
Die Bettdecken sind in Italien mega lang. Locker 1 1/2 mal so lang wie ein normales Bett. Ich habe leider keine Ahnung warum.
UPDATE:
Die Bettdecken sind so lang, dass die Füße nie kalt werden. Außerdem ist es vielerorts üblich die überlange Decke am Fußende unter die Matratze zu stopfen, auf dass man eine Art Schlafsackfeeling hat.

Kulturfakt 3:
In Italien gibt es Kichererbsen schon fertig gekocht in der Dose und man isst sie einfach mal so zum Abendessen dazu. Auch Couscous ist eines von gern gesehenen Kohlehydraten. Im Winter isst es meine Gastfamilie relativ oft, sagen sie. Aus Wien kenn ich Couscous und Ceci (sprich: Tschetschi – Kichererbsen) nur als Trend, den Hipster und Veganer gern haben.

Das ist alles, was ich heute für euch habe.
Bis zum nächsten Mal,
Sophie

Tag 35: Zeitreise

Hallo meine liebsten Leute,
gestern hab ich ein kleines bisserl über das Mittelalterfest in der Stadt erzählt. Heute nach der Kirche hab ich mit der Kelli, einer süßen Amerikanerin, die mit ihrem Mann hier lebt, einen kleinen Stadtspaziergang gemacht, bis meine liebste Erin gegen 2 in die Stadt gekommen ist. Dann ist die Kelli heimgegangen, aber nicht ohne mich vorher einmal zum Abendessen bei sich einzuladen. Mormonen… 🙄
Die Erin und ich haben uns dann ein paar von diesen Standerln angeschaut, die alle voller cooler Sachen waren. Holzbesteck, Schmuck, Krims Krams,…

Um uns bisserl auszuruhen haben wir uns auf die temporäre Tribüne auf der Piazza gesetzt und haben den Gauklern zugeschaut. Kurz später ist es aber richtig losgegangen und wir waren mitten in einem Mittelalterunterhaltungsprogramm, das einem König würdig war! Und selbst der würde so ein Spektakel wahrscheinlich nur einmal in seinem Leben sehen!

Angefangen hat es mit einem Einzug von den „Nobelleuten“ von Trento. Das war ein voller Hofstaat von verkleideten Menschen, ich glaube, sie haben sogar einen König und eine Königin gehabt!

image

Dann haben 4 verschiedene Trommlerteams Einzug genommen. Eines davon war beispielsweise aus Sizilien, ein anderes aus England. Jedes Team hat eine Runde auf der Piazza gedregt, während sie echt coole Sachen getrommelt haben!
Zu jedem dieser Trommlerteams hat es ein Team Flaggenwedler gegeben.

Sobald alle auf ihren Plätzen waren, hat der Hofschreier (glücklicherweise mit Mikrophon) die Zuschauer angewiesen: „Piedi! Mani! Urlaaaaaaaa!“ („Füße! Hände! Geschreiiiii!“), worauf wir alle mit den Füßen auf den Boden getrommelt, geklatscht und geschrien haben! Wie so ein richtiges Mittelalterpublikum!

Es hat also ein Bogenschießtournier angefangen! Zuerst mussten die (teils internationalen) Bogenschießer nur eine Zielscheibe treffen, dann jeder einen kleinen Sack Mehl und dann für das große Final ein Ei! Das Tournier war aber nicht alle Runden direkt nacheinander, sondern hat sich mit den Gauklern und dem Flaggentournier angewechselt.
Das Flaggentournier… leute!! Ich hab in meinem Leben noch nichts so Unterhaltsames, Cooles gesehen wie das!! Ich hab nur die erste Gruppe gefilmt, aber die war mega! Ich stell das Video so bald wie möglich auf Facebook. Sie haben aber nicht einmal gewonnen. Die Gewinnergruppe hat eine Choreographie mit den Trommlern gemeinsam gehabt! Wie das möglich ist zu trommeln und gleichzeitig eine echt cooles Choreo zu haben, ist mir unbegreiflich!

Und dann war da das Bogenschießen und die Gaukler und aja, es hat auch einen Duell zwischen dem weißen und dem schwarzen Ritter gegeben!

image
Wer hat wohl gewonnen?

Gegen Ende ist dann ein Süditaliener gekommen, den ich über Facebook kennen gelernt hab. Er hat die ganze Welt bereist und spricht irgendwie 4-5 Sprachen und wollte ein Deutsch-Italienisch Tandem mit mir machen. Da hat der eine die Möglichkeit die Fremdsprache vom andern zu lernen und umgekehrt. Weil aber die Erin dabei war und zwar Italienisch versteht, aber nicht spricht, geschweige denn Deutsch, haben wir einfach nach den Tournieren einen Spaziergang durch die Stadt gemacht und die ganze Zeit auf Englisch geredet. Und wir haben Eis gegessen! Ich hab Heidelbeere und Feige genommen. Die Erin hat mich ob dem Feigeneis ausgelacht, weil sie von meinem diebischen Hobby weiß.

image
Ja, Heidelbeere ist schwarz. Und mega gut!

Es war also ein mega unterhaltsamer Nachmittag/Abend und ich kann glücklich in mein Bettchen fallen!
Gute Nacht,
Sophie

PS: Verzeiht bitte den übermäßigen Gebrauch von Rufzeichen. Meine Emotionen sind mit mir durchgegangen.

Day 34: The Love’embrella

Hello my dearest people,
today I was a Scot!
Why? Because it was my free Saturday and I am in Italy. I can be whoever I want to be!
Why am I writing in English? Because many people have requested it and, as I said, I have been a Scot for the afternoon anyways. So I might as well..

So before lunch I was enjoying my hobby X, which is a hobby I can currently not further explain as it has to remain a secret until it can be exposed as a not-secret. When it was time for lunch, my stomach said „You have just had breakfast 3 hours ago“, but my brain countered that it was time for lunch! So I had lunch. I made myself vegetarian stuffed peppers. I only made lunch for me as there was only one pepper and the family ate later – since they had just had breakfast 3 hours ago. I was too lazy to cool myself rice and I still had lentils from 2 days ago, so I stuffed the yellow vegetables with lentils, tomatoes and garlic. The order of those three ingredients is on purpose, since the amount of each filling decreases with each ingredient. On top I put parmesan, since this is the cheese an Italian household always has on hand. It was surprisingly good and I’m glad I only ate half, so I have the rest for tomorrow!

So after my unitalian lunch (but hey, it had tomatoes in it, so maybe it was a  partly italian lunch?) I met up with Erin and we made our way to the city. Making my way downtown,  walking fast, faces pass and I’m homebound… Haven’t heard that song in a while.

Once downtown we were no longer in Trento, but in Trento of ages past. To be precise, in medieval Trento! Today was the giorno dell’autonomia (day of autonomy). We could only assume that it was the day that Trentino and Alto Adige became part of Italy. Maybe Google will shed some light on that and I’ll update the post tomorrow.

image

Whatever the occasion was, there was an archery tournament going on in the main piazza. There was even a team from England, they didn’t elaborate further on from where they were exactly. Before the tournament there were even two medieval entertainers in tights! Actually, there were a lot of men wearing tights that day…

Because it was the day of autonomia all the museums were free, so we went to 2 Roman underground museums. One was underneath the city’s cathedral and the entrance was behind the altar inside the church. That was just catacombs though, so we headed for the other one and once there we walked Roman underground streets. Well, actually it was just a Roman street underground, but that was pretty cool!

Afterwards, we decided to grab some snacks at the store, because a great journay lay ahead of us. Since we could not decide on anything else, we grabbed a bag of crisps each and some drinking yogurt. We traveled near, but long, since the little train – they even call it trenino as opposed to the normal treno (train) – has quite the amount of stops until we finally arrived in Mezzocorona. Terri, another Au Pair, lives there and there was supposed to be a kind of festival there. Unfortunately, the weather decided otherwise and we were being rained upon. Not only were all the shows and activities cancelled, but I haven’t taken an umbrella with me. So Erin, that friendly thing, shared hers with me. To fit us both under the umbrella we had to cuddle a little and basically walk like a slightly drunk couple. This caused not only laughs from our side, but also caused us to call it the love’embrella.
Well, since there was really nothing to do in the little village, we decided to find some entertainment in Trento. Since we haven’t read the trains time tables correctly, we waited an hour at the station. In the cold. In the rain. With nothing but crisps.
But we survived and soldiered on!

image
Fountain at Piazza Duomo at night.

Once back in the city, Erin challenged me to do my scottish accent for the whole evening. So I became Sophie, the Scot. We headed for Accademia, a student’s bar, which started out, to be honest, a bit boring. With drinks in our hands we waited for a guy Erin had met a few days earlier. Why do they make drinks always with crushed ice? I was freezing and the freezing glass didn’t help. So anyways, we told this guy I was Scottish, which unfortunately started a weird discussion about Scottish independence and whether I was pro or contra. Like a really bad fake Scot, I said that I was contra independence, but my grandpa was really pro. Had I told him that I was pro independence, which would have been a lot more fun, Erin would have died laughing and blown the whole charade. Or we both would have.

When had enough of conversations about politics and of freezing from the empty, but still cold glass in my hands, whilst Erin was literally burning up a bit, we decided to take a latenight stroll around town until our bus came.

Safe and warm at home, I can finally go to sleep,
Good night and sleep tight!
Sophie

Tag 33: Des back i ned!

Meine liebsten Leute,
ich hab hier schon ein paar frühe Nachmittage hinter mir, die einfach stinklangweilig waren. Ich war nach dem Mittagessen oft in meinem Zimmer, hab gelesen und mich dabei bemüht nicht einzuschlafen.

Heute hab ich hingegen beschlossen einfach ein paar Sachen mit der Familie zu machen. Die Monica fragt mich immer, wenn sie am Nachmittag wo hin gehen, wie etwa in den Park zum Spielplatz, ob ich denn mitkommen möchte. Nach dem Mittagessen waren die Kinder bei den Großeltern einen Stock unter uns oder im Garten oder bei der Tante einen Stock über uns. Sie haben dauernd rumgewechselt. Also hat die Monica beschlossen noch eine Runde mit dem Hund zu machen, bevor sie zum Elternabend (um 13 Uhr zum Mittag) in den Kindergarten gemusst hat. „Magst du mitkommen, Sophie?“ – „Ja!“, hab ich geantwortet und die einstündige Wanderung hat begonnen. Endlich wieder Bewegung!, hat mein Körper dazu gesagt.

Um 3 hat die Englischwoche vom Gabriele in einer Vorstellung für die Eltern geendet. Er hat den Jäger in „Little Red Riding Hood“ gespielt, aber in dem großen Saal hat man leider kein Stück gehört, was er gesagt hat. In der Schule hat es noch andere Sprachkurse gegeben, gesamt etwa jeweils 5 Englisch- und Deutschkurse für Kinder verschiedenen Alters. Jede Gruppe hat was hergezeigt und eine Gruppe hat „Wo ist die Kokosnuss“ gesungen, worauf ich natürlich gleich leise mitgesungen habe!

image
Die Schulklos in der Volksschule, wo der Englischkurs stattgefunden hat. Oh Italia...

Danach sind wir zum Geburtstag von der Vittoria, der besten Freundin von der Bea, zu einem Spielplatz gefahren. Dort hat es einen Tisch voller unglaublicher Köstlichkeiten gegeben und natürlich hab ich mich gemästet wie ein Schwein. Zwar ein Schwein mit Manieren, aber mir war nachher trotzdem schlecht.

image
Geburtstagskind im rosa Rock!

Wieder zuhause angekommen haben wir uns alle nicht mehr bewegen können und sind erschöpft auf der Couch gesessen. Als kleiner Mitternachtssnack um 8 am Abend hat dann eine Zwetschkentorte auf uns gewartet, die ich heut Vormittag mit der Bea und der Alessia, ihrer 5-jährigen Cousine, die über uns wohnt, gebacken hat. Die beiden wollten unbedingt fernschauen und ich wollte sie unbedingt davon abhalten, weshalb ich keine Zeit gehabt hab, nach einem guten Rezept zu suchen, das Zutaten beinhaltet, die wir gehabt haben, also hab ich einfach improvisiert. Rausgekommen ist eine Art Mürbteig mit unflüssigem Zwetschkenröster und ein paar Birnen oben drauf.

Während die Familie am Abend noch „Bake off“ im Fernsehen geschaut hat, hab ich meinem geheimen Hobby X gefröhnt. Ich freu mich total, dass es funktioniert, aber ich hoffe, dass ich bald besser drin werd und es leichter wird. Mich freut, dass ich mit diesem Hobby bei der Familie sein kann und trotzdem was Freizeitiges mach. In einem Monat wird erklärt, was es ist.

Liebe Grüße,
Sophie

Tag 32: Halbzeit!

Meine liebsten Leute,
der Titel verrät es schon: Heute hab ich offiziell meine Halbzeit in Italien erreicht. Was ich davon halte, weiß ich noch nicht. Einerseits freu ich mich schon total auf zuhause, auf meine Familie und meine Freunde, auf die Universität. Ja, auf die Uni! Ich komm mit Sommerferien wohl nicht ganz zurecht.

Ich würde aber die Busse vermissen, die zuverlässig 3 Minuten zu spät kommen, die Berge, die immer im Blick sind, egal wohin man schaut, das Feigen-am-Weg-zum-Bus-Klauen, meinen Standardsatz „non so come si dice“ (dice sprich: diedsche. „Ich weiß nicht wie man das sagt“), die schwungvollen Busfahrten den Berg hinunter in die Stadt, die aggressiven Aufzugtüren, die einfach auf nichts und niemanden warten,…

Ach Spaß beiseite! Oder eher Spaß in den Vordergrund!! Ich hab eine mega lustige Zeit hier. Meine Lieblingszeit des Tages ist am Abend, wenn wir gemeinsam abendessen, wenn alle entspannt sind, wenn die Hausübungen schon für den Tag erledigt sind. Heute haben wir zum Beispiel nach dem Abendessen noch ein paar Runden Präsident gespielt, das die Bea und der Gabri besonders lieben. Demnächst bring ich ihnen Gämsch und Schnapsen bei. Ich hab heute am späten Nachmittag in der Stadt eine Rolle Wolle gekauft und hab den Kindern Fadenabnehmen beigebracht. Die Monica hat es aus ihrer Kindheit gekannt, aber ewig nicht mehr gemacht. Es war also eine willkommene Erinnerung. Dann hab ich allen noch schnell Fingerstricken gezeigt, aber nicht wie’s geht. Die ganze Familie war stark begeistert. Ich verwende hier das Wort stark, weil das ihr Ausruf war: „Che forte!“

Der Vormittag war ehrlich gesagt fast langweilig, weil nur die Bea, der kleine Giulio und der Alessandro (Vater) da waren. Die beiden Kleinen haben einen Altersunterschied von 4 Jahren, das heißt zu viel Abstand, dass sie auf demselben Level sind und zu wenig, als dass die Bea auf seine Bedürfnisse eingehen kann. Der Gabri, zum Beispiel, ist alt genug, um mit dem Giuli ein Spiel zu spielen, wo er auf seinen kleinen Bruder Acht gibt und ihn entertaint. Die Bea braucht noch selber ein gewisses Maß Entertainment. Auch dadurch, dass der Ale da war, wollt ich ihm ein bisserl Zeit mit seinen Kindern lassen, weil er sonst immer arbeiten muss. So war ein Kind mit mir im Kinderzimmer und das andere mit ihm im Wohnzimmer.

Kurz bevor der Ale dann mit dem Giuli in den Kiga gegangen ist, haben die Bea und ich begonnen eine Pizza zu machen. Nachdem sie die letzten 4 Tage, auf die Frage hin, was sie denn zum Mittagessen (pranzo) haben möchte, 🍕 Pizza 🍕 geantwortet hat.
Der Herstellungsvorgang geht eigentlich ganz schnell und das trotz 6 jähriger Hilfe, die die Hefe über den ganzen Küchenboden zerstreut hat.
Ich hab nur den Fehler begangen Paprika auf die Pizza Margherita zu tun. Weder die Bea noch der Giulio, nachdem er vom Kiga wieder heimgekommen ist, wollten das Gemüse essen.
Dafür haben sie dann eine großzügige Portion capuzzi (rohes Kraut) bekommen. Bisserl Olivenöl aus Pulien, bisserl Salz und schon tutto a posto (alles bereit)!

Während ich in meiner „Mittagspause“ bisserl gelesen hab, ist irgendwann der kleine Giulio in mein Zimmer gekommen und hat ganz süß seine Lieblingsfrage gestellt: Come ti chiami? (sprich: kiami – Wie heißt du?)
Worauf ich – wie immer – geantwortet hab: Non lo so! Come mi chiamo? (Ich weiß nicht! Wie heiß ich?)
Worauf der kleine Fratz gegrinst hat: Ophia!
Daraufhin hab ich einfach ein paar Selfies mit ihm machen müssen!

image

Tja und am späten Nachmittag hat mich dann die Unternehmerlust gepackt und ich hab mich in die Stadt begeben, um Wolle zu kaufen. Ich bin ein bisschen übermütig geworden und hab auch so unnötiges Zeug wie Nagellack und Ohrringe gekauft.

image
In der Stadt war dieser nette Herr, der den Donauwalzer gespielt hat, als ich an ihm vorbeigegangen bin.

Und ich hab vor etwas zu lernen, was ich aber erst in einem Monat offenbaren kann! Wir nennen es mal <em>Hobby X. Ich hoffe es wird was und ich scheitere nicht kläglich dran.

Ich bin total glücklich und ich hoffe euch geht es so wie mir!
Sophie

Tag 31: Ein lausiger Abend

Meine liebsten Leute,
heute hab ich eine sehr lange Dusche geduscht. Ich bin normal weder ein Langduscher, noch ein Warmduscher, aber heute hab ich eine Ausnahme machen müssen. Ich hab nämlich die ganzen Läuse aus meinen Haaren rauswaschen und rausbürsten müssen.
Jap, richtig gehört! Kaum verbring ich mal ein Monat täglich mit Kindern, hab ich schon Läuse. Meine Gastkinder haben jedoch keine, fragt sich also woher ich sie hab. Eine Antwort auf jenes Rätsel der Natur ist noch nicht gefunden, ein Schampoo gegen Läuse glücklicherweise schon.

Vielleicht waren die Milliarden kleinen Viecher, die sich an meiner nahrhaften Kopfhaut gelabt haben, für meine grummelige Laune heute verantwortlich. Ich war nicht sehr motiviert, aber solche Tage muss man auch mal haben!

Mein Gastvater hat heute um 8 wieder den Gabri in den Englischkurs gefahren und dann um 10 den Giulio in den Kindergarten begleitet. Also haben die Beatrice (und, bis er gegangen ist, auch der Giulio) und ich gezeichnet. Sie hat mir auf Deutsch angesagt welche Farbe und welches Körperteil/Kleidungsstück ich malen soll. Beispielsweise Leiberl gelb. Ja, ich bringe den Kindern österreichisches Deutsch bei 🙄
Sieht dann etwa so aus:

image
Rechts: die Hexen, links: unser Deutsch Tagebuch. Worte, die sie gelernt haben werden reingezeichnet und sind jederzeit zum Nachschlagen bereit! Teilweise zeichnen auch die Kinder.

Der Gabriele hat mir übrigens vor ein paar Tagen Folgendes für meine Zimmertür gezeichnet:

image
Ist das nicht niedlich? Diese ganzen Herzen... 🙄

Mittwochs ist auf der Piazza immer ein Markt, bestehend aus sage und schreibe zwei Ständen. Ein großer mit mega viel Gemüse und Obst, was alles ausgezeichneter Qualität ist und ein kleiner mit Brot. Die Stände stehen von 8-13 Uhr und um 11 hat der Brotstand nur mehr Kaisersemmeln (Tipp: Semmeln in Italien sind ein No Go für alle, die im Land des Gebäcks aufgewachsen sind).
Übrigens: Nachdem wir meinem Gastvater auf Italienisch von dem kärglichen Brotstand erzählt haben, hat er ganz von sich aus gesagt: Kaisersemmeln! Das Wort hab ich ihm beigebracht 🙄

Gerade wie die Bea und ich uns an die Pfirsiche machen wollten, hat uns die Monica überrascht. Auf ihrem Weg heim von der Arbeit hat sie uns gesehn. Mit ihr haben wir dann einen großen Gemüse- und Obsteinkauf getätigt und danach im Coop (Supermarkt) sogar noch ein Brot gekauft, das nicht so weiß, wie ein Bettleintuch war, sondern sogar Sonnenblumenkerne drin hat!!

Gegen Mittag haben die Wolken geweint, weshalb wir am Nachmittag nicht auf einen Spielplatz konnten. Sobald sich die Himmel wieder beruhigt haben, haben die beiden Kleinen, die Monica und ich einen Spaziergang gemacht. Am Weg haben wir meinem neuen Hobby, Feigenklauen, gefröhnt. Die Bea hat gerne geholfen.

image
Ja, das Kind ist viel bräuner als ich, aber ich bin nicht so blass wie es wirkt!

Nachdem die Monica die Sonnenblumen einer alten Frau bewundert hat, hat diese uns gleich einen Strauß davon geschenkt, der jetzt am Küchentisch ruht.

Des Abends wieder zuhause angekommen hab ich den Juck nicht mehr ausgehalten und hab versucht mich mithilfe des Schampoos zu entlausen. Mitunter die schlimmsten Zeiten meiner Kindheit waren die belausten Zeiten! In mir tobt die Angst, dass ich nie lausfrei sein werde und es meine Kopfhaut fortan nur noch in juckender Form gibt.

Ich weiß, dass viele von euch sich mindestens 3x während dem Lesen des heutigen Eintrages aufgrund von Phantomläusen am Kopf gekratzt haben. Jetzt habt ihr wenigstens einen Bruchteil meines Leidens mit den echten Dingern erlebt 😛

Bussi,
Sophie

Tag 30: Verhexter Schlagobers

Meine liebsten Leute,
Ausdauer zahlt sich aus!
Ich bin nach dem Mittagessen immer so müde, dass ich denk, ich könne nix mehr an dem Tag machen, aber jetzt hab ich doch noch bis 23 Uhr gemacht und der Tag war echt nicht schlecht!

Gestern hab ich mir mit der Erin, einer Au Pair aus Großbritannien, ausgemacht, dass wir unsere Gastkinder verkuppeln und uns heute im Park in Oltrecastello treffen. Der ist in 5 minütiger Gehreichweite von unserer Wohnung hier und der Lieblingsspielplatz von allen Kindern in 10 minütiger Autoreichweite. Wer auch immer kann, der kommt zu diesem Park Spielplatz.

image

Purtroppo (Leider) war ihre 2 Jährige traurig, weil ihre große Schwester heute im Hort war und daher nicht sehr interaktiv, weswegen jede Au Pair dann mit ihren eigenen Kindern auf einem fast leeren Spielplatz gespielt und der anderen hin und wieder einen bedeutungsschwangeren Blick zugeworfen hat.

Der 5 minütige Heimweg wäre zwar das Ideal gewesen, aufgrund einer aufmüpfigen 6-Jährigen, die alleine nachkommen wollte, zog er sich dann aber zu einer halben Stunde hin. Es hat mir zwar furchtbar leid getan, aber es war auch furchtbar anstrengend zu versuchen die kleine Schnecke den Berg raufzuziehen. (Ja, wir wohnen am Berg. Es ist Trento, hier gibt es nur Berg!)

Zum Mittagessen hat es riso della strega (Hexenreis) gegeben. So hat der kleine Giulio ihn zumindest benannt, weil der dunkle Reis das Kochwasser lila gefärbt hat.

image

Meine offizielle Mittagspause, in der ich regelmäßig entweder schlafe oder in ein Wachkoma falle, habe ich mit einem Film überbrückt. Insel der Abenteuer hab ich auf meinem Laptop entdeckt! Ich fühle mich mehr und mehr wie eine Person! Ich lese, ich schaue Film, ich habe Freizeit!!! Ach ist das Leben herrlich!

Apropos Freizeit, nach der einen Stunde, die ich nachmittags arbeite – wo absolut nichts Spannendes passiert ist, weil der Kleine geschlafen hat und die Beatrice im Garten mit ihrer Cousine gespielt hat – hab ich mich auf der Piazza mit der Erin von heut Vormittag getroffen. Wir haben uns ein Eis geschnappt (ich mit Panna – Schlagobers -, der mir nach 2 Schritten auf den Boden gefallen ist) und haben einen Spaziergang gemacht, bei dem wir uns drüber unterhalten haben, was für eine komische Situation Au Pair sein eigentlich ist. Man lebt bei fremden Leuten, der Weg zur Arbeit ist ein Schritt aus der Zimmertür, man ist für Kinder zuständig, die nicht seine eigenen sind, und und und.
Es war total lustig mit ihr zu plaudern und ich bin jetzt total erleichtert, weil ich weiß, dass nicht nur ich mir denk, dass es eine komische Situation ist.

Dann am Abend haben die Eltern von meinem Gastvater, dem Alessandro, Obst und Gemüse aus ihrem Garten vorbeigebracht, worauf mich die Monica schnell gefragt hab, ob ich mit ihr mit dem Hund Gassi gehen mag. Für gute 1 1/2 Stunden sind wir ihrer Schwiegermutter aus dem Weg gegangen und sind von Dorf zu Dorf gewandert. (Mehr zur Schwiegermutter: siehe Tag 21)
Abendworkout? Check!

In 8 Stunden geht es wieder los für mich! Gute Nacht,
Sophie