Au Pair Überlebenstipps

Meine liebsten Leute,

Egal wie viel man das liest, man ist nie drauf vorbereitet. Das Leben eines Au Pair. Man hört nur von Au Pairs, dass sie so gut mit ihrer Gastfamilie zurechtkommen, dass sie sich wie zuhause fühlen oder zumindest mit der Familie befreundet sind.
Aber es beginnt ganz anders:
Man lebt mit einer fremden Familie. Man hat zwar vorher geskypet, aber man kennt die Leute nicht. Man ist nicht mit den Eltern befreundet, man hat sie noch nie vorher mitten im Leben erlebt. Man ist erschöpft von der Reise. Man hat Heimweh. Man traut sich nicht eins von den Joghurts zum Frühstück zu nehmen, weil was, wenn die für wen anderen sind. Man braucht Zeit für sich alleine, will aber nicht abweisend sein. Man ist allein in seinem Zimmer und weiß nicht wirklich, was man mit sich anfangen soll, aber man schafft es psychisch nicht bei der Familie zu sein, weil es ist komisch in ihrem Wohnzimmer zu sein und darauf zu warten, dass wer mit einem spricht.

Oh yes, so fängt es an. Vielleicht nicht bei jedem, aber bei mir war es zumindest so.

Hier ein paar kleine Tipps, die den Anfang erleichtern:
1) Schlaf!
10 Stunden Schlaf sind in den ersten 2 Wochen lebensnotwendig. Klingt extrem? Die Alternative ist 10 Tage bei jeder Kleinigkeit heulen und total verzweifelt sein.

2) Gewisse Sachen, die einen ärgern als kulturelle Verschiedenheit ansehen.
Eine Gastmutter, die einen ständig berührt, kann eine Britin sehr zur Weißglut bringen. Andererseits kann eine Britin, die sagt „Berühr mich nicht!“ sehr abweisend auf ihre Gastmutter wirken. (basierend auf einer wahren Begebenheit)

3) Nicht alles als kulturelle Verschiedenheit betrachten!
Menschen machen einfach gewisse Sachen, die uns nicht gefallen. Man muss sich dran gewöhnen, aber man muss es auch ansprechen. Ruhig ansprechen.

4) Im Haushalt mithelfen.
Meine superliebe zweite Gastmutter hat sich anfangs wie mein Hotel gefühlt, weil ich nicht viel im Haushalt geholfen hab. Andererseits hab ich mich auch nicht ganz wohl gefühlt und hab nicht gewusst wie ich mich verhalten soll. Sobald ich dann angefangen hab mehr aufzuräumen, die Wäsche der Gastfamilie hin und wieder aufzuhängen, den Geschirrspüler auszuräumen, die Küche aufzuräumen,… hab ich mich tatsächlich auch mehr wie ein Teil dieser Familie gefühlt. Natürlich soll man sich nicht selber zum Sklaven machen, aber ich hab mich durch ein bisserl mehr Anstrengung als produktiver Teil der Familie gesehen.

5) Stricken.
Ich hab mit meiner Familie einen Stundenplan gehabt wann ich arbeite. In der Zeit, wo ich offiziell nicht gearbeitet hab, wollt ich aber trotzdem irgendwie Zeit mit der Familie im Wohnzimmer verbringen. Lesen im Beisein der Familie wär komisch gewesen, weil ich immer sehr auf die Geschichte konzentriert bin. Am Handy irgendwelche Spiele spielen ist für mich auch keine Lösung gewesen.
Nachdem Stricken immer eine Fähigkeit war, die mir nicht gelingen wollte, hab ich mir das als Lernziel gesetzt. Die Kinder sind total begeistert einem zuzuschauen. Man hört „oooh“ und „aah“ und „che belloooo!!“ (wie schön!) und man kann sogar nebenbei noch kommunizieren.

Ich hab außerdem jedes Mal, wenn ich aus meinem Zimmer rauswollt und mit der Familie reden wollt, ein Glas Wasser geholt, um für einen smoothen Übergang in die Gesellschaft zu sorgen. Ich hab teilweise 3 Liter am Tag getrunken und meine Haut war super. 🙄

Es ist wichtig mit der Familie Zeit zu verbringen und auch einfach ehrlich und direkt mit ihnen reden. Nachdem sie anfangs Fremde sind, muss man sehr direkt sein, auch wenn das für mich, als sehr höfliche Wienerin, ein bisserl schwierig war.

Als Au Pair hat man eine wundervolle Chance und man kann echt gute Freundschaften aufbauen. Wichtig ist es ehrlich mit sich selbst zu sein. Ich bin froh, dass ich so bald Familie gewechselt hab, weil ich wirklich stark gespürt hab, dass ich mit der Familie nicht kann. Ich hatt ein mega Glück mit der zweiten Familie!!

Schönen Abend,
Sophie

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