Tragödien der Sprache

Eine multilinguale Person hat es echt schwer. 

Es reicht nicht, dass ich viel mehr stottere seit ich fließender Italienisch spreche, weil mir mitten in der Konversation das passende Wort zuerst auf meinen anderen zwei Sprachen einfällt. Oh nein, ich kann auch manche Themen auch nur in einer gewissen Sprache ausreichend behandeln.

Doch, oje, damit ist meinen linguistischen Problemen noch lange nicht genüge getan!

Lieber Leser, lass mich dich auf einen kleinen Ausflug in mein Leben mitnehmen.

Stell dir vor, du hast dein Lieblingsessen lange nicht mehr gegessen. Und du hast so oft Lust drauf, aber du hast nie nie richtigen Zutaten zur Hand. Dann plötzlich, siehst du eine Person neben dir in der U-Bahn oder einen entfernten Facebook-Freund wie sie/er jenes Lieblingsessen genüsslich verzehrt. Ganz logisch, dass dein Blick sich auf jene Person richtet, nicht wahr? (somit hätte ich den Sophie-typischen Absatz über Essen auch wieder mal eingebaut)

Liebe Sophie, denkst du wohl, ich verstehe, dass Essen und Kultur viel miteinander zu tun hat, was wär die Welt schließlich ohne Pizza? Aber ich verstehe nicht ganz, was das mit deinen Sprachproblemen zu tun hat.

Lieber Leser, das Essen ist eine Metapher. Ich mag alles an Italienisch. Die Sprache, die Melodie, et cetera

Und ich war so lange nicht mehr in Italien oder habe eine gscheite Konversation auf Italienisch geführt. Als ich heute Abend mit der U-Bahn gefahren bin und dann „l’umidità a Vienna…“ gehört hab, haben sich meine Ohren unter meiner Haube aufgestellt wie die eines Hundes. Wenn Hunde Hauben trügen. Als sich diese zwei sprechenden Italiener dann neben mich gesetzt haben, hab ich – natürlich – so tun müssen als schriebe ich etwas auf meinem Handy um mich unauffällig in ihre Unterhaltung einklinken zu können.

Schon bald begegnete ich der ersten Schwierigkeit. Ich durfte nicht über ihre Witze lachen. Schnell schaute ich auf mein Handy, um mein Alibi zu beschützen.

Als die U-Bahn in einen Tunnel einfuhr, die nächste Hürde: Ich musste mich möglichst unauffällig konzentrieren, um nicht den roten Faden des Gesprächs über den Krach des Zuges zu verlieren.

Es war inmitten jener Konzentrationsphase, dass ich dann bemerkte, dass ich eine Station zu weit gefahren bin. Im Geiste verabschiedete ich mich von meinen Fahrtkollegen und, über mich selber schmunzelnd, stieg ich aus.

Fun afterfact: während ich auf die nächste U-Bahn gewartet hab, hat sich auf einmal ein junges Pärchen hinter mich gestellt. Dreimal darfst du raten, was dieses Pärchen so besonders gemacht hat…

Sophie

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