Liebste Leute,

durch Wien verläuft ein Fluss. Dieser Fluss, genannt Donau, floss in früheren Zeiten so kraftvoll, so wild, dass es des Öfteren zu Überschwemmungen der Stadt kam. Um diese zu verhindern wurde in den 80er Jahren künstlich eine Insel aufgezogen, die fortan als Donauinsel bekannt war. Der Name war zwar nicht gerade kreativ, doch wenigstens effizient.

Jene Insel ist gestaltet wie ein riesiger Park. Sobald die Sonne scheint, sieht man um die U-Bahn Station “Donauinsel” Schwärme von Philippinen grillen und picknicken, während der nördlichere Teil überwiegend von Türken begrillt und be-sonnenbadet wird. Das sind nur unwichtige Informationen am Rande, auch wenn ich mich schon des Öfteren gefragt habe wieso dem denn so ist.

Wichtig ist, dass jedes Jahr im Juni ein Fest der Musik dort stattfindet. Diverse Radiostationen und andere Unternehmen, die Geld dafür haben, bauen dort ihre Bühnen auf; alles was Alkohol und/oder Würstel verkauft stellt einen Stand auf und ein Wochenende lang hausiert dort ein Festival mitten in der Stadt.

Damals, als ich noch junge 12 war, verbrachte ich dort gerne mit Freunden einen Nachmittag und klapperte ein Standl nach dem anderen nach Werbegeschenken ab. In jenem Jahr waren wir sehr erfolgreich.

Im nächsten Jahr wurde die Ausbeute schlagartig mager und im Jahr darauf herrschte eine vernichtende Dürre bezüglich Gratis-Zeug.

Mit 15 Jahren wagte ich mich des Abends auf das Fest und lauschte den Klängen von Sunrise Avenue während ich auf einem Mistkübel stand um eine bessere Sicht auf die Band zu erlangen.

Seitdem hat das Fest aber nicht genug Pull auf mich gewirkt, dass ich hingegangen wäre.

Doch letztes Wochenende gingen wir spontan hin, erwischten gerade noch die 3 Lieder der Zugabe von Mando Diao – ich muss gestehen, ich kannte den Namen, aber habe mir deutsche Schlager erwartet. Ich wurde positiv überrascht.

Als ich dann um 1 Uhr Nachts auf die U-Bahn beim Praterstern – normalerweise ein Ort der Drogen, Sandler und Polizei – gewartet habe, war die Station voller Donauinselfest-Geher, die 15 Minuten des Wartens überbrücken mussten.

Ratet mal was ein Pärchen angefangen hat zu machen! Und dann hat eine Gruppe leicht angetrunkener Freunde mit ihrer Warte-Beschäftigung  alle Augen auf sich gezogen.

Das Pärchen hat angefangen Ninja zu spielen, ein Spiel, das mir in der Volksschule beigebracht wurde und was zu jeder Tageszeit witzig ist.

Die Freundesgruppe hat Hampelmänner gemacht, damit sie nicht einschlafen.

Niemand hat herum geschrien. Niemand hat andere Leute genervt. Alle haben sie nur versucht sich wach zu halten und einen netten Abend zu haben.

An keinem Moment an dem Abend habe ich mich sonderlich unsicher gefühlt, auch wenn Wien eine große Stadt ist und der Praterstern oder andere Orte oft Grusel erwecken. Meine Moral ist also, dass Musik Leute zusammen bringt. Dass Leute sich gemeinsam, aber auch einfach nebeneinander über die warme Jahreszeit freuen können und eine tolle Atmosphäre gestalten kann.

Ende.

Sophie. 

Ps: Diesen Text habe ich in der U-Bahn am Heimweg verfasst, weil mich die Hampelmänner so inspiriert haben 😁

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