Schweinehunde und wie man sie einfängt 

Liebste Leute,

wer hat schonmal gehört, dass sein Denken umgestellt gehört?

„Nein, du siehst das falsch!“

„Sieh’s so!“

Situationsbedingt hört man sowas nicht unbedingt gerne, aber ich habe gerade eine kleine Inspiration zum Spurwechsel meiner Gedanken bekommen und, lieber Leser, du bist jetzt mein Freiwilliger aus dem Publikum, der mit mir Spuren wechseln darf. Schulterblick und Blinker setzen nicht vergessen.

Diesen Herbst hatte ich einige Bewerbungsgespräche. Ich war bei einem Start Up zu einer quetschbaren Wasserflasche aus Titan, bei einer Sprachschule, einem Finanzberater, einem Schuhverkäufer und anderen, alle mehr oder weniger im professionellen Umfeld. Und ich, natürlich, war mehr oder weniger professionell gekleidet. 

Ich bin berühmt berüchtigt für einen lockeren, farbenfrohen Stil. Tatsächlich wurde ich diesen Sommer von einer Freundin gefragt was denn meine Lieblingsfarbe wäre. Als ich kurzerhand mit „schwarz“ antwortete –  nicht lange überlegt, sondern eher aus dem Bauche heraus – war selbst sie, die mich kennen gelernt hat, als ich mir sicher war, dass ein dünner, rosa Schal mit aufgeklebten Strasssteinchen zu einem weißen Leiberl und einem bodenlangen Jeansrock eine gute Idee wären, ja, selbst sie war überrascht. (Mit Verlaub, der Jeansrock-Incident ist glücklicherweise schon seine Zeit her. ) 

Tja und so jemand wie ich geht zu Interviews in angesehenen Firmen, die ein hohes Maß an Professionalität erfordern. 

„Kann ich überhaupt seriös erscheinen? Sollte ich den Job bekommen, kann ich dann langfristig seriös sein?“ fragte ich mich. 

Doch dann, in der U-Bahn, kam mir der Spurenwechsel. Der Gedanken natürlich. Ich und meine Spuren sind nicht verantwortlich für die Störung der U3 letztens. 

Neue Spur: Ein neues Arbeitsumfeld ist wie das italienische Wort „accalappiacani„. 

Ja, das ist ein echtes Wort. Sag es am besten drei Mal schnell hintereinander. Es ist harmlos, keine Sorge. Die Bedeutung: Hundefänger. Der ein oder andere findet ganz am Ende eine Version des Wortes cane, Hund. 

Als mir das Wort zum ersten Mal untergekommen ist, hab ich es nicht wahrnehmen können. Wenn es jemand in einem Satz verwendet hat, hab ich es nicht als Substantiv wahrgenommen. Es hätte sich genau so gut um ein Verb im Dialekt handeln können. Wer weiß? Ich jedenfalls damals nicht. 

Später konnte ich das Wort, wenn ich es schriftlich vor mir hatte, vorlesen. Langsam. 

Und heute ist es ein ganz natürlicher Teil meines Wortschatzes. Drei Mal schnell hintereinander? (fast) Kein Problem! 

So verhält es sich mit allen neuen Dingen. Mögen wir der Aufgabe anfangs mit Respekt gegenüber stehen, wird es durch wiederholte Auseinandersetzung damit bald ein ganz normaler Teil unseres Lebens. 

Selbst wenn es mir persönlich nicht immer gefällt etwas nicht zu können, der einzige Ausweg ist Übung. 

Tja, und das war ein weiteres Kapitel aus Sophies „Linguistische Parabeln für den Alltag“

Bis zum nächsten Mal

Sophie 

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