Liebster Leser,

bei dem folgenden Text handelt es sich praktisch um eine Antiquität. Vor Jahren schrieb eine junge Sophie diese Zeilen um gesammelten Dampf rauszulassen. Doch nein, nicht Zynik oder gar Hass waren die Auslöser zur Dichtung der folgenden Lyrik. Oh nein, keineswegs. Wenn dann bloß ein kleines bisschen Ekel und ein großes bisschen Unverständnis. Zu Freuden kann ich sagen, dass sich meine Einstellung seither geändert hat. Drastisch.

Doch nun wünsche ich gute Unterhaltung.

Die Invasion

Sie sind überall. Sie sind in den Parks, in den Einkaufszentren, in den U-Bahnen. Sie haben sich bereits in meine verschiedenen Freundeskreise eingeschlichen. Es gibt kein Entkommen.

Überall lauern sie einem auf. Ihre Augen sind verschleiert, Murmeln ähnelnd. Ihr Grinser gibt Auskunft darüber, dass sie bereits in einer anderen Welt verweilen. Sie greifen immer in Pärchen an, verbunden wie siamesische Zwillinge an ihren Händen. Wo auch immer sie hingehen, hinterlassen sie eine rosarote Giftwolke.

– Die Frischverliebten –

Wenn sie noch nicht in Pärchen umherwandeln, ihre Herzen aber schon infiziert sind und ihre Bäuche aufgrund der Schmetterlinge schon leicht angeschwollen sind, dann gehen sie sicher, dass jedes Mal, wenn man sich mit ihnen trifft, das Thema irgendwie immer auf ihre Seuche fällt.
„Ich bin bereit,“ murmeln sie mir zu.
„Ach, wie schön wäre so eine Beziehung,“ seufzen sie.

Sie halten Ausschau und wenn eine Person mit dem Gegenstück zu ihren Leiden kommt, dann schnappen beide zu wie eine Schlange, ihre Zähne tief in den Anderen vergraben. Doch meistens ist es für die Umstehenden genauso unverständlich und verstörend wie zwei Schlangen, die einander gegenseitig gleichzeitig beißen.

Und wenn niemand Passender kommt, dann verkriechen sie sich in Höhlen. Sie rollen sich zusammen um dem Schmerz in ihrer Mitte zu entgehen.

Währenddessen kämpfe ich mich durch die Welt, versuche ihnen so gut wie möglich auszuweichen. Bemühe mich eine gute Freundin zu sein. Verständnis zu zeigen. Ich weiß, es gibt nur zwei Wege zur Heilung und keinen davon kann ich hervorzwingen.

Weg 1: Zwei Menschen werden zu einer Einheit und langsam verdauen sie gemeinsam die ersten paar Monate das Gift, bis sie ihrem alten Selbst wieder ähneln. Nur halt ab dann: immer im Doppelpack.

Weg 2: Ihr Herz verfärbt sich schwarz. Es zerfällt und wie ein Phönix, ersteht es aus der Asche wieder. Unter großen Schmerzen müssen sie sich ein neues, rotes Herz aufbauen, das stark genug ist alleine zu stehen.

An dieser Stelle gäbe es noch den Weg 2 1/2 als Zwischenstufe, bevor das Phönixherz wieder rot ist. Bei dieser Option – und ich empfehle sie wirklich nur temporär – besitzt das Herz eine leicht grünliche Farbe und der jeweilige Besitzer ist wütend auf die Liebe und alles was dazu gehört (sprich: Menschen sowie ausgewählte sensible Themen).

Alles was ich beitragen kann zur Heilung ist Geduld. Gegen Sommer sollte sich die rosa Wolke wieder verzogen haben.

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