Liebe Leute,

ich bin als Student sehr verwöhnt. Zweimal im Jahr kauf ich mir ein Semesterticket und in den Sommermonaten kaufe ich zwei Ferientickets. Ende. Mehr Fahrschein brauche ich im Jahr nicht.

Die letzten drei Tage waren jedoch untermalt von ständigem Ausschauhalten nach Fahrscheinautomaten. Die letzten drei Tage durfte ich nämlich mit meinem Lieblingsmenschen die Weltmetropole Prag erkundschaften. Und dort hab ich weder ein Semester- noch ein Ferienticket. Und Fahrscheinautomaten sind rar und sporadisch in der Stadt verteilt.

Moderne „Weltmetropole Prag“ klingt fast übertrieben. Die Gebäude hinterlassen nämlich einen gänzlich anderen Eindruck. Monumente und Kirchen halten sich in eindeutigem spätgotischen Stil. Ebenso eindeutig zeichnen sich viele Hotels, Kirchen und Wohnhäuser als Jugendstil ab – so eindeutig, dass selbst ich als Laie das erkannt hab… Obwohl ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich Gebäude einfach immer mit der Wiener Votivkirche für das Stichwort Gotik und mit der Secession am Karlsplatz für den Jugendstil vergleiche. Was soll ich sagen, Wien bildet!

Im Zentrum Prags sieht man diese antiken Seiten aber oft nur, wenn man weiter nach oben schaut. Im Erdgeschoss – oder besser gesagt: auf Touristenhöhe – findet sich eine Touristenfalle nach der anderen. Nach viel Recherche, die im Wahrheit zu hundert Prozent auf empirischer Beobachtung basiert, konnten wir die typischsten Betriebe ermitteln – vielleicht so typisch, dass sie inzwischen schon als authentische Prager Geschäftslokale zählen. In einem Radius von sieben Häuserblöcken, mit der höchsten Dichte um die berühmte Karlsbrücke herum, wobei das östliche Gestade der grandiosgrünen Moldau eine stärker ausgeprägte Touristenkultur aufweist als das westliche Ufer, finden sich alle zwölf Schritte ein Trdelnik Verkäufer, alle dreimal Umfallen ein Absinth Mini Market (Untertitel: Alcohol – Cannabis – Cigarettes) und pro Häuserblock ein Thai Massage Etablissement inklusive roter Vorhänge im Hintergrund für „Privatmassagen“.

Doch abseits der ärgsten Touristenstraßen ist Prag eine bezaubernde Stadt. Das Auge kann sich kaum satt sehen an den edlen Häusern in rosa, blau und grün oder gar an den Kirchen im Jugendstil mit deren goldenem Schnickschnack. Auf dem Vyscheradfelsen ist ein unvergleichliches Burgareal inklusive eindrucksvoller Statuen und Parks. Für die müden Spaziergänger gibt es zahlreiche Bänke und viel Grün. Meine Uroma sagt immer: Grün ist gesund fürs Auge. Das kann ich nach einem Vormittag dort bestätigen.

Und spätestens jetzt klingt dieser Blogpost wie eine Reisebroschüre! Prag ist halt nicht umsonst eine so gut besuchte Stadt.

Was ich jedenfalls aus diesem 3 Tagestrip mitgenommen habe ist, dass es nicht wirklich wichtig ist wohin man fährt. Wichtig ist mit wem man fährt, weil dann sieht man an jeder Stadt die allerschönste Seite.

Und ich bin unbeschreiblich dankbar für meinen Travelcompanion, der genauso begeistert von hübschen, alten Häusern ist wie ich. Der dieselbe Vorstellung von Städtetrip hat wie ich, nämlich ziellos durch die Stadt zu wandern und den Charakter der Stadt kennenzulernen, auch wenn er um einige km/h schneller geht als ich. Ein Muskelkater vom Schnellgehen ist für mich auch eine neue Erfahrung! Es ist immer gut zu spüren, dass man was gemacht hat.

Wie viele wissen, werde ich sehr bald eine weitere Reise antreten. Diese wird nicht nur 3 Tage sein und sie wird auch nicht mit meinem Freund sein. Trotzdem freu ich mich drauf. Ich freu mich auf ein neues Land, eine neue Stadt und darauf meine künftigen Reisepartner, Mitbewohner und Kollegen kennen zu lernen. Auch wenn diese ein anderes Schrittempo haben, ich freu mich drauf von ihnen zu lernen und mit Fremden ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Ein Muskelkater hat noch niemandem geschadet.

Sophie

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