Von dem Mord an der guten Konversation

Liebster Leser,

hast du je ein Gespräch absolut getötet?

Letztens konntest du einfach kein gutes Thema finden, weil du deinen Kommunikationspartner nicht so gut gekannt hast?

Ach nein, von sowas red’ ich gar nicht.

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Imagine this, lieber Leser. Du sitzt in einem lebhaft geschmückten Raum. Ein wohliges Feuer im Kamin, schwere Vorhänge vor den Fenstern, ein Tisch, um den zwei einladende Sessel thronen. Du in dem einen Sessel, ich in dem anderen. Das Gespräch zwischen uns, es läuft nicht nur, es fließt dahin, es rollt stolperfrei von einem Thema zum Nächsten.

Warum spielen Leute Lotto, wenn sie beim USB Stick bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:2 immer versagen”, fragst du.
Von der Wahrscheinlichkeit her gibt’s halt mehr Möglichkeit zu gewinnen”, gebe ich grinsend zurück. Du lachst über meine optimistischen Mathematikfähigkeiten. Ich nehm’s dir nicht übel.

Wir sitzen schon beide an den Kanten unserer Sessel, komplett vertieft in das Gespräch. Meine Wangen und mein Bauch krampfen vor Lachen. Muss ich erwähnen, dass wir uns in diesem Szenario herrlich verstehen?

Wir reden über Flüchtlinge, Gendern, Erziehung. Unsere teilweise komplett unterschiedlichen Meinungen geben uns reichlich Gesprächsstoff.

Du bekommst Hunger und holst deine Snack-Knabbernossi aus der Tasche. Genau von der Marke, die in der Volksschule der Renner war. Ich schmunzle. Du bietest mir eins an.

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Ich sag, ich esse kein Fleisch. Du fragst spaßeshalber wie ich überlebe.

Und plötzlich ist es still. Als hätte die bis dato unbemerkte Musik aufgehört zu spielen. An meiner linken Schläfe pulsiert sichtbar eine Ader.

Ganz.” zischt es durch meine Zähne, “Einfach.”

Oh, ein emotionales Thema also. Alsdann, denkst du, lasset die Fetzen fliegen!

Ich könnte mir nicht vorstellen ohne Fleisch zu leben”, behauptest du.

Du musst ja nicht ohne Leben, denke ich, aber ich hab noch nie die Kampf-Vegetarier-Karte gespielt, also probier ich das mal aus.

Weißt du wie viel mehr Ressourcen die Fleischproduktion verbraucht im Gegensatz zu dem Essen, das ein Vegetarier verzehrt?”  Ich persönlich weiß das auch nicht so genau.

Aber der Mensch braucht Fleisch zum Überleben. Das ist wissenschaftlich bewiesen.“

Fleischfresser sind alle solche sozialgesellschaftlichen Diktatoren!” Ich, als Sprachstudentin, räume mir das Recht ein große Worte freizügig zu verwenden, um mein Argument aufzublasen. Außerdem hab ich gehört, dass absurde Vergleiche mit autoritären Systemen das Gegenüber dazu bringt die andere Meinung ohne Vorurteile zu betrachten. (Achtung Sarkasmus)

Dein Stolz ist verletzt. Mein Stolz ist verletzt.  Jetzt geht es nicht mehr um das Thema selbst, nur noch ums Gewinnen.

Du weißt ja nicht mal mehr was gutes Essen ist!“ zischst du.

Wir werfen uns eine Absurdität nach er anderen an den Kopf. Der Raum pulsiert in rotem Licht. Blitze tanzen auf den Möbeln, hinterlassen schwarze Risse. Wir stehen, schreien, streiten. Niemand hört mehr zu. Wir hören uns ja nicht mal mehr selbst zu. Und obwohl wir Worte in verschiedenen Lautstärken verwenden, ist unser Gespräch tot. Keiner gibt nach, keiner kommt vorwärts. Es ist zwecklos. Tot. Eine tote Konversation. 

Wie mag das Duell nur enden, fragst du nun?

 

Tja, das ist dir überlassen. Und mir.

Am Einfachsten wäre es, wenn ich ruhig frage, ob du jetzt auch plötzlich Lust auf Pizza hast. Die kann man nämlich teilen und sowohl mit als auch ohne Fleisch belegen.

Oder wenn du tief einatmest und mich ohne zu lachen fragst: „Warum spielt bei Schinkenfleckerl alleweil das Fleisch Versteckerl?

Darauf antworte ich: „Warum heißt ein Negerkuss Negerkuss?“ 

Wir zeigen beide ein bisschen Humor und ein großer Streit ist leicht gegessen. (Pun intended)
Heutzutage, in der Ära der Facebook- und Instagram Diskussionen, ist es besonders wichtig sich der toten Konversation  bewusst zu sein. Da es um Einiges länger dauert ein Kommentar zu verfassen als einen Satz lautsprachlich auszudrücken, gehen mit toter Konversation Unsummen an Zeit verloren. Sollte die Diskussion wie die Obige rein aus Jux starten und die Kommunikationspartner haben ihren Spaß am Streiten – ich habe gehört, solche Leute nennt man Anwälte -, dann ist das schon gut in Ordnung. Jeder braucht ein Hobby. 

Falls aber wenigstens einer wirklich  gekränkt aus dem Gespräch hinausgeht und keiner von beiden den eigenen  Standpunkt auch nur ein bisschen geändert hat, so war es tatsächlich Zeitverschwendung. 

Diskutieren ist eine Kunst. Aber was für manche ein wertgeschätztes Jackson Pollock Gemälde ist, sind für andere nur Farbklekse. 

Liebster Leser, ein Ratschlag, den ich nach besten Mitteln versuche selbst zu befolgen: Sei ein guter Diskussionspartner. Die Basis für jeden menschlichen Kontakt ist Respekt. Und den hat jeder grundsätzlich verdient.

Hab eine schöne Woche, Mahlzeit,

Sophie

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Mitternachtstext

Liebste Leute,

durch Wien verläuft ein Fluss. Dieser Fluss, genannt Donau, floss in früheren Zeiten so kraftvoll, so wild, dass es des Öfteren zu Überschwemmungen der Stadt kam. Um diese zu verhindern wurde in den 80er Jahren künstlich eine Insel aufgezogen, die fortan als Donauinsel bekannt war. Der Name war zwar nicht gerade kreativ, doch wenigstens effizient.

Jene Insel ist gestaltet wie ein riesiger Park. Sobald die Sonne scheint, sieht man um die U-Bahn Station “Donauinsel” Schwärme von Philippinen grillen und picknicken, während der nördlichere Teil überwiegend von Türken begrillt und be-sonnenbadet wird. Das sind nur unwichtige Informationen am Rande, auch wenn ich mich schon des Öfteren gefragt habe wieso dem denn so ist.

Wichtig ist, dass jedes Jahr im Juni ein Fest der Musik dort stattfindet. Diverse Radiostationen und andere Unternehmen, die Geld dafür haben, bauen dort ihre Bühnen auf; alles was Alkohol und/oder Würstel verkauft stellt einen Stand auf und ein Wochenende lang hausiert dort ein Festival mitten in der Stadt.

Damals, als ich noch junge 12 war, verbrachte ich dort gerne mit Freunden einen Nachmittag und klapperte ein Standl nach dem anderen nach Werbegeschenken ab. In jenem Jahr waren wir sehr erfolgreich.

Im nächsten Jahr wurde die Ausbeute schlagartig mager und im Jahr darauf herrschte eine vernichtende Dürre bezüglich Gratis-Zeug.

Mit 15 Jahren wagte ich mich des Abends auf das Fest und lauschte den Klängen von Sunrise Avenue während ich auf einem Mistkübel stand um eine bessere Sicht auf die Band zu erlangen.

Seitdem hat das Fest aber nicht genug Pull auf mich gewirkt, dass ich hingegangen wäre.

Doch letztes Wochenende gingen wir spontan hin, erwischten gerade noch die 3 Lieder der Zugabe von Mando Diao – ich muss gestehen, ich kannte den Namen, aber habe mir deutsche Schlager erwartet. Ich wurde positiv überrascht.

Als ich dann um 1 Uhr Nachts auf die U-Bahn beim Praterstern – normalerweise ein Ort der Drogen, Sandler und Polizei – gewartet habe, war die Station voller Donauinselfest-Geher, die 15 Minuten des Wartens überbrücken mussten.

Ratet mal was ein Pärchen angefangen hat zu machen! Und dann hat eine Gruppe leicht angetrunkener Freunde mit ihrer Warte-Beschäftigung  alle Augen auf sich gezogen.

Das Pärchen hat angefangen Ninja zu spielen, ein Spiel, das mir in der Volksschule beigebracht wurde und was zu jeder Tageszeit witzig ist.

Die Freundesgruppe hat Hampelmänner gemacht, damit sie nicht einschlafen.

Niemand hat herum geschrien. Niemand hat andere Leute genervt. Alle haben sie nur versucht sich wach zu halten und einen netten Abend zu haben.

An keinem Moment an dem Abend habe ich mich sonderlich unsicher gefühlt, auch wenn Wien eine große Stadt ist und der Praterstern oder andere Orte oft Grusel erwecken. Meine Moral ist also, dass Musik Leute zusammen bringt. Dass Leute sich gemeinsam, aber auch einfach nebeneinander über die warme Jahreszeit freuen können und eine tolle Atmosphäre gestalten kann.

Ende.

Sophie. 

Ps: Diesen Text habe ich in der U-Bahn am Heimweg verfasst, weil mich die Hampelmänner so inspiriert haben 😁

Ein Mittwochabendgedicht

Die Sophie hat sich eine Heimfahrt erschnorrt,

doch prompt fand sie einen Tatort.

Mit Joey am Beifahrersitz fuhr sie unschuldig durch eine Gasse,

dort erwartete die beiden eine Menschenmasse.

Sechs Autos an Polizisten versperrten den Weg,

eins davon war sogar die Weg(a).
Vor dem Auto war die Polizei,

hinter dem Auto nochamal zwei.

„Was wollen Sie hier,“ wurden die beiden gefragt.

„Wir wollten nur durchfahren,“ haben die beiden gesagt.

„Das dauert wohl noch,“ sagt der Polizist,

„hier gibts einen Terrorist.“

PLOT TWIST

Eine Freundin der Sophie wohnt gleich nebenan,

Die Sophie fragt sich, ob sie die wohl sehen kann.

Nein, niemand rundum darf aus dem Haus,

alle Nachbarn schaun nur aus ihrem Fenster heraus.

Jetzt kommt noch die Cobra, noch nicht in voller Montur,

vor Ort ziehen sie sich an und gehen den Dschihadisten auf die Spur.

Jawohl, richtig gehört! Nicht nur einer, sondern zwei!

Einen holen sie vorne raus, den andern bei der Hintertür und die Action ist vorbei.

Die Rettung und die Polizei, alle schreiben noch ihr Protokoll,

Cobra und Wega ziehen sich wieder um, entladen die Waffen, der Job ist anspruchsvoll.
Nach einer Stunde ist die Straße wieder frei,

Sophie und Joey, bei jeder Action dabei!

Tragödien der Sprache

Eine multilinguale Person hat es echt schwer. 

Es reicht nicht, dass ich viel mehr stottere seit ich fließender Italienisch spreche, weil mir mitten in der Konversation das passende Wort zuerst auf meinen anderen zwei Sprachen einfällt. Oh nein, ich kann auch manche Themen auch nur in einer gewissen Sprache ausreichend behandeln.

Doch, oje, damit ist meinen linguistischen Problemen noch lange nicht genüge getan!

Lieber Leser, lass mich dich auf einen kleinen Ausflug in mein Leben mitnehmen.

Stell dir vor, du hast dein Lieblingsessen lange nicht mehr gegessen. Und du hast so oft Lust drauf, aber du hast nie nie richtigen Zutaten zur Hand. Dann plötzlich, siehst du eine Person neben dir in der U-Bahn oder einen entfernten Facebook-Freund wie sie/er jenes Lieblingsessen genüsslich verzehrt. Ganz logisch, dass dein Blick sich auf jene Person richtet, nicht wahr? (somit hätte ich den Sophie-typischen Absatz über Essen auch wieder mal eingebaut)

Liebe Sophie, denkst du wohl, ich verstehe, dass Essen und Kultur viel miteinander zu tun hat, was wär die Welt schließlich ohne Pizza? Aber ich verstehe nicht ganz, was das mit deinen Sprachproblemen zu tun hat.

Lieber Leser, das Essen ist eine Metapher. Ich mag alles an Italienisch. Die Sprache, die Melodie, et cetera

Und ich war so lange nicht mehr in Italien oder habe eine gscheite Konversation auf Italienisch geführt. Als ich heute Abend mit der U-Bahn gefahren bin und dann „l’umidità a Vienna…“ gehört hab, haben sich meine Ohren unter meiner Haube aufgestellt wie die eines Hundes. Wenn Hunde Hauben trügen. Als sich diese zwei sprechenden Italiener dann neben mich gesetzt haben, hab ich – natürlich – so tun müssen als schriebe ich etwas auf meinem Handy um mich unauffällig in ihre Unterhaltung einklinken zu können.

Schon bald begegnete ich der ersten Schwierigkeit. Ich durfte nicht über ihre Witze lachen. Schnell schaute ich auf mein Handy, um mein Alibi zu beschützen.

Als die U-Bahn in einen Tunnel einfuhr, die nächste Hürde: Ich musste mich möglichst unauffällig konzentrieren, um nicht den roten Faden des Gesprächs über den Krach des Zuges zu verlieren.

Es war inmitten jener Konzentrationsphase, dass ich dann bemerkte, dass ich eine Station zu weit gefahren bin. Im Geiste verabschiedete ich mich von meinen Fahrtkollegen und, über mich selber schmunzelnd, stieg ich aus.

Fun afterfact: während ich auf die nächste U-Bahn gewartet hab, hat sich auf einmal ein junges Pärchen hinter mich gestellt. Dreimal darfst du raten, was dieses Pärchen so besonders gemacht hat…

Sophie

Alkohol und was ich drüber weiß

I have to think hard to name an interesting man who does not drink.
~Richard Burton

Meine liebsten Leute,

hin und wieder, wenn ich einen langen Tag gehabt hab, fahr ich mir mit der Hand übers Gesicht und denk mir: I need a drink.

Halt, stopp, Moment, ich hab gedacht ihr Mormonen trinkt keinen Alkohol?

Tja, richtig gedacht, lieber Leser. Leicht erschrocken schau ich mich dann um, ob nicht vielleicht jemand in meiner Nähe mir diesen Gedanken eingeschoben hat. Doch nein, das war schon ich. Nur ich und ich allein.

In ziemlich jedem Film wird getrunken. Wenn sich jemand in jeder zweiten Szene was einflößt, ist das eine relativ normale Verhaltensweise, nicht? Und sowas beeinflusst mich!
Ich kenn mich in der Welt des Alkohols besser aus, als in der Welt der Autos. Ich weiß zu welchem Anlass man welchen Alkohol trinkt, aber ich hab noch nie einen Reifen gewechselt! Und, ganz ehrlich, welches Wissen ist für mein Leben relevanter?

Ich gebe aber gerne zu, dass es beruhigend ist etwas zu trinken, wenn die Nerven aufgerieben sind. Ich verstehe, dass die Geschmacksnerven gern eine exotische Kombination erleben wollen wenn die Emotionen nur so springen. Es macht Sinn.

Wenn man an eine Mauer stößt, ist das der Moment an dem man fliegen lernt. Ohne Hindernis, hat man nie so großes Bedürfnis seine Flügel zu verwenden.

So sehe ich diesen Moment des „I need a drink – oh, ich trink ja gar nicht“ als Anlass etwas zu kreieren, was ich zu jeder Zeit genießen kann: Smoothies.

Ich liebe Smoothies.

Das nächste Mal also, wenn ich nach einem anstrengenden Tag heimkomm, wird nicht als Erstes an Brandy gedacht, sondern an Apfel – Erdbeer – Kiwi – Pfeffer.

Einen Gedankengang ändert man indem man die Richtung wechselt, nicht indem man stehen bleibt.

Jetzt bleibt mir nur noch zu warten, dass ein Charakter in einem Film, statt dem Champagner unter der Spüle, einen Mixer aus dem Schrank holt und sich einen Power Smoothie komponiert, wenn sie gestresst ist.

Liebe Leute, damit wünsche ich euch eine frohe Weihnacht. Bleibt gesund, trinkt ein paar Vitamine, feiert schön.

Sophie

Von mir an mich

Liebste Leute,

ich bin ein sehr großer Freund von Überraschungen. So groß, ich reiche schon fast an die Decke mit meiner Liebe für Überraschungen. Und immer wieder freut es mich, wenn ich mich selbst überraschen kann. Ja, das ist möglich.

Seit dem Sommer des Jahres 2013 habe ich eine Tradition mit der ich mich regelmäßig überrasche. Und ich bin jedes Mal ehrlich überrascht.

In jenem Sommer habe ich einen Brief an mich selbst geschrieben. Zu dem Zeitpunkt war ich in Deutschland auf einer Jungendtagung (Jugendcamp von meiner Kirche nur ohne Campen) und es war spät am Abend. In diesem Brief hab ich einerseits ein paar Wünsche an mich selber geschrieben, andererseits steht da ziemlich viel Blödsinn drin, weil ich schon sehr müde war, was wiederum aber unheimlich amüsant zu lesen ist.

Diesen Brief hab ich ein halbes Jahr später in meinem Zimmer gefunden und entschlossen, ihn mit einem neuen Brief an mich selbst in ein Kuvert zu stecken. Dieses Kuvert hab ich mit meinem Namen versehen und versteckt.

Alle paar Monate stoße ich wieder auf dieses Kuvert und fast jedes Mal steck ich einen neuen Brief dazu, wo ich meine derzeitige Lebenssituation beschreibe, ein paar Ratschläge an mich selbst schreibe und immer ein paar aufmunternde Worte für mich finde.

Mein absolutes Lieblingswort ist das Wort „Ente“. Ich weiß nicht wieso, aber mir gefällt es einfach. Im Jahre 2014 hab ich mich in einem Brief als „scharfe Ente“ bezeichnet. Jedes Mal, wenn ich das les, muss ich von neu über mich selbst lachen. Seitdem habe ich es mir zum Ziel gemacht, immer eine gute Portion Humor in meine Briefe zu packen und mich selbst zum Lachen zu bringen. Mit Erfolg!

Ich schreibe mich selber nie mit ‚ich‘ an. Manchmal schreib ich ‚du‘ , aber am Liebsten habe ich das ‚wir‘. Die Sophie der Gegenwart, die den Brief schreibt, die Sophie der Zukunft, die den Brief lesen wird und dann, wenn ich als lesende Sophie zur Sophie der Gegenwart werde, dann auch noch die Sophie der Vergangenheit, die den Brief geschrieben hat, all diese Sophies gemeinsam berichten über ihr Leben.

Das sind mir die liebsten Überraschungen. Welche die von Herzen kommen und mich zum Lachen bringen.

Was ich damit sagen will ist, dass man sich selber gern eine Freude machen darf und, dass es mir – nein –  uns, die liebste Methode ist Tagebuch zu führen. Jedes halbe Jahr reicht.

Sophie

Crazy is the new dumb

I was just randomly reading someone’s blogpost  about how mental illnesses are sometimes used as a fancier way to say ‚crazy‘. So when someone talks about their crazy ex, they would call her bipolar. And in some circles that is socially acceptable. No one objects or explains that bipolar actually is an illness that might drive one crazy, but does not mean that they are, in fact, a lunatic.

It is however not socially acceptable to call someone stupid. Fifty years ago, a kid with learning difficulties or dyslexia would have been called dumb. Teachers would have said this kid was not fit for school or university.

Nowadays, we try to work around these difficulties. There are special exercises for children with various learning difficulties. We know that some kids listening to their ancient biology teacher won’t remember a word he said if they haven’t seen the words. And so teachers incorporate different media in their classes so that everyone has a chance to learn in their own way.

But it’s okay to say that anxiety is just someone exaggerating. Or that someone who has been abused is just being dramatic when they are triggered.

That’s it with the rant part. But how to live with someone who has a mental illness?

Because quite often it is not easy.

1. Know that their illness is not your responsibility, but your love can do wonders to their health. 

Both parts of that sentence are of equal value! Be aware of your influence, but also of your boundaries.

2. Don’t always overlook their flaws.

As a friend, you should make them feel safe and loved. So be gentle and loving. That doesn’t mean you have to turn a blind eye to their flaws. When they overstep your boundaries or when they simply need an honest word, then say it. Better it is a friend who tells them with love than someone else. Also, you’re giving them the chance to grow.

3. Most people will experience mental illness in some part of their lives.

Be the friend you want to have in a crisis. If you are awful to the people who are having a mental illness now, who will be left to pick you up, when you catch something? Besides, people who have dealt with an illness themselves, know a lot about how to treat it, so learn from them now.
And thus, my friends, the rant it over.

Sophie
The blogpost I was reading that inspired this post: https://workhardstayhumble.co/2016/05/22/this-is-what-my-life-with-a-mental-illness-looks-like/

Tag 5 und 6: Gruselkind

Liebe Leute,
Hausübungen sind ein Graus. Und jetzt in meiner immensen Weisheit, die ich in meinen 19 Jahren besitze, weiß ich, dass es schlimmer für die ist, die die Kinder dazu zwingen sie zu machen, als für die Kinder selber. 

Puh, das waren echt viele Beistriche.

Meine lieben, freundlichen Kiddies haben sich mit einem Wort, nämlich compiti (Hausübung), in kleine Monster verwandelt.

Nach der HÜ warn wir dann beim Spielplatz, wo sich die älteren beiden bissl gefetzt haben. Daraufhin wollte die Bea nicht mit uns heimgehn, also ist sie uns gefolgt wie so ein Kind aus dem Horrorfilm. Man kann am Foto bissl ihren rosa Schatten sehn.

Direkt aus dem Horrorfilm: Das stalkende Kind

Sie können so grantig sein…

Danach ham wir im Hof diverse Ballspiele gespielt und ich kann mit Stolz sagen, dass ich nur 10:12 beim Volleyball gegen die Bea verloren hab 💪

Sie spielt ein bisschen unfair, aber im Großen und Ganzen macht sie das ganz gut. (Das Volleyball spielen, nicht das Unfair spielen ;))

Tag 5 am Nachmittag wollten wir eigentlich mit einer andern Mama mit deren Kindern zum See fahren, aber beim See angekommen, hat es dann zum Regnen angefangen. Also sind wir kurzerhand ins MUSE gegangen, ein 4-stöckiges Museum für Kinder und Erwachsene.

Ich muss zugeben, dass ich beeindruckt vom Dschungelhaus war. Selbst als Wienerin, die das Dschungelhaus in Schönbrunn gewohnt ist. Natürlich war es hier mehr ein großer Dschungelraum, aber es waren doch echt tolle Pflänzchen drin! (Und mit Pflänzchen meine ich Pflanzen, deren Blätter doppelt so groß waren wie ich.)

In einem anderen Stock vom MUSE waren Erfindungen, die von Tieren inspiriert sind. So war da zum Beispiel ein Auto, dessen aerodynamische Form an einen bestimmten Fisch anlehnt oder ein Zug, dessen Spitze wie ein Vogelschnaben ausschaut.

Das kleine Trento kann mich als Großstädterin also doch beeindrucken! I am delighted!

Apropos Englisch, die Monica hat mich gefragt, ob ich mit den Kindern Englisch reden kann und es stellte sich heraus, dass ich das leider nicht ernsthaft kann. Immer wenn ich vom Italienisch ins Englische wechsel sprech ich so, als würde ich mich extrem über Leute, die Englisch nur mit starkem italienischen Akzent sprechen, lustig machen. Ich bemühe mich so sehr und es kommt jedes Mal ur lächerlich raus. Ups.

Vielleicht hilft es, wenn ich drüber schlafe.

Buona notte, ciao ciao,

Sophie

Tag 4: Barfuß = Homeless

Liebste Leute,

heute gibt es für euch kleine Text-Fetzerl an lustigen Sachen, die die Kinder gesagt haben und Fotos:

Am Spielplatz haben wir Indianer gespielt, die ein Lagerfeuer zusammenstellen. Dafür haben wir verschiedenste Sachen gesammelt. Irgendwann sagt die Beatrice: 

Prendo una roba!“ („Ich hol ein Ding!“) und geht ums Eck.

Drauf dreht sich der Giulio auf der Ferse um und sagt: „Anch’io la devo prendere“ („Ich muss das Ding auch holen“)

Indianer beim Bohnensammeln..

Wieder zuhause hab ich der Alessia, der 6 jährigen Cousine, die im selben Haus wohnt, erzählt, dass ich gern barfuß geh und wen kenn, der seit ein paar Wochen auch in der Stadt barfuß geht. Drauf sie: „Ma in città non si può andare scalze. Tutti ti pensano una persona povera.“ („Aber in der Stadt kann man nicht barfuß gehn. Alle halten dich dann für eine arme Person.“)

Die Beatrice, ich und die Alessia, die nicht in der Stadt barfuß geht.

Direkt neben dem Schwimmbad ist das Spital, von wo aus der Helikopter alle 10 Minuten aufsteiSophia
ch einem Mittagessen bei den Großeltern im Stock drunter sind wir ins Schwimmbad in Trento gefahren, wo ich letztes Jahr mit meiner ersten Katastrophen-Gastfamilie schon amal war. Das bedeutet, ich hab mich viel umgeschaut, ob es vielleicht ein Gesicht gibt, dem ich ausweichen sollte.

Mein Badezeug hab ich in Linz vergessen, was bedeutet, dass ich einen Badeanzug im Baywatch-Schnitt von meiner Gastmama ausgeborgt hab, der eh schon bissl zu klein war. Noch dazu kommt, dass in allen Bädern in Trentino und Südtirol Badehaubenpflicht herrscht. Ich war also ziemlich gut verkleidet. Hätte mich jemand gesehen, hätten sie mich wahrscheinlich nicht erkannt. Noch nie war ich so glücklich, dass mich niemand hier kennt.

Wie man das so macht in Italien, haben wir auch Eis gegessen und ich kann meine zwei Sorten (offiziell Himbeersorbet und Schlagobers) nur als Himbeermarmelade-Zuckerschaum und Marshmallow beschreiben. 

Adesso sono tutta piena. (Jetzt bin ich bummvoll). Das Leben hier ist wortwörtlich keine leichte Kost. Obwohl, wenn ich so überleg, im Vergleich zur traditionell österreichischen Küche vielleicht schon.

Das war’s wieder von mir,

buona notte,

Sophia

Tag 2 und 3: Raus aus dem Haus

Liebste Leute,

am Tag 2 back in Italia war ich alleine in Italia. Die Familie ist nämlich um 9 zu einem Mittagessen von einem Arbeitsessen eingeladen gewesen. Und ich hab also sturmfrei gehabt.

Also hab ich Wäsche gewaschen, bin runter zum Eissalon spaziert, hab dann keine Lust auf Eis gehabt, bin dann wieder den Berg rauf gegangen und hab mir den Hund geschnappt, weil Spazieren mit Hund irgendwie lustiger ist. 

Letztes Jahr war der Hund noch ganz jung und relativ unerzogen. Ehrfürchtig hab ich den Oliver dann aber von der Leine gelassen, in der Hoffnung, dass er irgendwann wieder zurückkommt.

Der Beweis, dass man sich ändern kann. Der  Oliver war super brav und hat immer gewartet, wenn er mich nimmer gesehn hat.

– Ich verspüre den großen Drang jeden zweiten Satz mit  allora zu beginnen 🙈 fun fact: meine italienische Großtante, die schon so lang in Ö lebt, dass sie schon Österreicherin ist, sagt als deutsches Pendant dazu: mit einem Wort

Also mit einem Wort, der Polster war nicht so bequem wie erwartet. Mein Polstergeschmack hat sich in dem Jahr wohl geändert.

Heut waren wir in den Dolomiten wandern. Die Kinder haben am Anfang und am Ende gemault. Der Gabri ist heute um 5 aufgestanden um mit seinem Opa angeln zu gehn und ist direkt nachher mit uns wandern gewesen. Hartes kleines Kerlchen.

Ich bin auf jeden Fall totmüde, aber hey, ich war zwei mal in 1 1/2 Wochen wandern. Als nicht-wirklich-wandern-Fan bin ich ganz schön stolz auf meine Wiener Becken Beine 😉


Gute Nacht a tutti!

Sophie, oder wie man mich in diesen Gefilden auch nennt: Sofy